DAS GOTTESGNADENTU,
D
ling durch eine von Mars gesandte Wölfin genährt. Auch sein
Tod war übermenschlicher Art; er wurde während eines
großen Unwetters entrückt und erschien später einem vor-
nehmen Bürger im Traume, welchem er die Meldung an die
Römer auftrug, daß er zu den Himmlischen heimgegangen
wäre.
Der erste römische Kaiser Augustus führte seinen
Stammbaum auf Romulus und damit ebenfalls auf Mars
zurück, sein Hofpoet Vergil führte in dem Epos ‚„Aeneis‘
den‘ Nachweis für diese Behauptung. Infolgedessen ließen sich
Augustus und seine Nachfolger als Götter verehren; es wurden
ihnen Tempel erbaut, täglich Opfer dargebracht, ein eigenes
Priesterkollegium eingesetzt usw.
Der Grund der Christenverfolgungen!) lag darin,
daß die römischen Kaiser in dem Monotheismus die Verneinung
ihrer eigenen Gottheit, damit also eine Majestätsbeleidigung,
erblickten. und die Christen nach den Bestimmungen des
Gesetzes über Majestätsbeleidigung als Anarchisten ver-
folgten. Nach Einführung des Monotheismus im Mittelalter
haben sich die mohammedanischen Kalifen (von 632 nach
Christi ab) als Stellvertreter des Propheten Gottes
auf Erden bezeichnet und auf diese Weise die Autorität für ihr
geistliches und weltliches Herrscheramt behauptet. Ähnlich
haben sich die russischen Zaren nach Einführung des
Christentums in Rußland ausgegeben. Der Titel des Kaisers
von Japan „Tenno‘‘ ist gleichbedeutend mit Himmelskönig
und ‚Tenshi‘‘ mit Sohn des Himmels.
Die monarchische Idee des Mittelalters hat das Herr-
schertum als eine von Gott gefügte Einrichtung und
als Nachfolge der (von Gott abstammenden) römischen Kaiser
ausgegeben. Auf die seit dem Jahre 800 n. Chr. durch Karl den
Großen eingeführte Krönung zum römischen Kaiser deutscher
Nation haben seine Nachfolger den allergrößten Wert gelegt
und zu deren Erlangung oft auch sehr bedeutende Opfer
gebracht. Selbst noch der bis zum Jahre 1918 regierende
Österreichische und deutsche Kaiser bezeichneten sich als
Kaiser von Gottes Gnaden.
’) Siehe Quellen und Begründung Friedr. v. Hellwald, Kultur
geschichte, Friesenhahn, Leipzig 1896.
Paneth, Entwicklung der Reklame