Contents: Die Kommunalbesteuerung in Italien

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Dieser Einwand ist richtig, doch erfordert die wirksame Durchführung 
der Besteuerung, wenn sie genügend ergiebig sein soll, eine solche 
räumliche Abschließung. 
7. Ein unzweifelhafter Vorzug des Oktroi ist, daß er auch die 
Fremden erfaßt, für die ja der Aufenthalt in der Gemeinde von 
Vorteil ist. Die heute so wichtige Frage der Fremdenbesteuerung 
wird so am einfachsten gelöst. Bei dem ausgedehnten Fremden 
verkehr in Italien spielt natürlich diese Frage für manche Gemeinde 
eine gewisse Bolle. 
Soviel von den allgemeinen Licht- und Schattenseiten des Oktroi. 
Es erübrigt noch, der Eigentümlichkeiten zu gedenken, die die Durch 
führung der italienischen Besteuerung bedingen. 
II. 1. Die Scheidung der Gemeinden nach Kategorien (ge 
schlossene und offene Kommunen) mit verschiedenen Erhebungs 
formen und nach Ortsklassen, gemäß der Bevölkerungsgröße, mit 
verschiedenen Steuertarifen führt zu ungleichmäßiger 
Belastung der einzelnen Gemeinden, namentlich von Stadt und 
Land. Aber auch die verschiedenen Teile des Königreiches werden 
ungleichmäßig belastet, namentlich der Süden gegenüber dem Norden, 
da dort die landwirtschaftliche Bevölkerung zum großen Teil in 
Städten „agglomeriert“ ist und die geschlossenen Gemeinden daher 
verhältnismäßig mehr vorherrschen als hier. 
Nicht nur die Verschiedenheit der Oktroisätze, sondern vor allem 
die Verschiedenheit der Erhebungsformen macht die Belastung 
zwischen den geschlossenen und offenen Gemeinden ungleichmäßig. 
In den geschlossenen Orten werden alle Einkommen, die großen wie 
die kleinen, vom Oktroi erfaßt, in den offenen dagegen werden vor 
zugsweise die wirtschaftlich schwächeren Schichten getroffen, die ge- 
genötigt sind, ihre Bedarfsobjekte im kleinen zu kaufen, während die 
zahlungsfähigeren Klassen sich leicht, durch Einkauf im großen, der 
Besteuerung zu entziehen vermögen (mit Ausnahme der Fleischsteuer). 
Die erweiterte Besteuerungsmöglichkeit in den geschlossenen Gemeinden 
begünstigt natürlich die Neigung, den dazio consumo im Interesse der 
fiskalischen Ergiebigkeit auf eine möglichst große Zahl von Objekten 
zu legen und ihn anzuspannen. Alles das erklärt zum Teil, daß der 
dazio consumo in den geschlossenen Orten relativ weit höhere Erträge 
abwirft als in den offenen 1 j. Freilich nur zum Teil, denn die relativ 
l ) Der dazio consumo erbrachte i. J. 1903 pro Kopf in den geschlossenen 
Gemeinden 20,04 L. gegenüber von nur 1,56 L. in den offenen. In den ge-
	        
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