Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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A. Tatsachen 
und demzufolge die Marktunkosten unverhältnismäßig hoch sind. In 
Amerika findet ein täglicher reger Marktverkehr, in Deutschland ein 
nur zweimal wöchentlicher Zutrieb statt, der entsprechend höhere 
Spesen erfordert. Trotzdem werden in Deutschland immer noch neue 
Maͤrkte von einzelnen Gemeinden eröffnet. 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Rationalisterung in der 
Landwirtschaft ermißt man am besten, wenn man sich vergegenwärtigt, 
daß der Wert der in den Jahren 1925, 1926 und 1927 nach Deutsch⸗ 
land eingeführten Lebensmittel und Getränke rund 12 Milliarden 
Mark, ungefähr ein Drittel unserer gesamten Wareneinfuhr betrug. 
Hiervon hatten nach sachverständiger Schätzung rund 700/, auf 
deutschem Boden erzeugt bzw. durch eine Verbesserung der Qualität 
und der Absatzorganisation der einheimischen Erzeugnisse vom deut⸗ 
schen Markt zurückgehalten werden können. Als ein Beleg für die 
Richtigkeit dieser Schätzung sei erwähnt, daß in dem genannten Zeit⸗ 
raum für rund 1,2 Milliarden an Butter und Käse nach Deutschland 
eingeführt wurden, trotzdem in der gleichen Zeit ein Überangebot 
einheimischer Milchprodukte vorlag! Darüber hinaus würde die 
Verbesserung unserer Handelsbilanz durch eine Hebung der heimischen 
landwirtschaftlichen Erzeugung bei gleichzeitiger Verminderung der 
Einfuhr unsere Kreditfaͤhigkeit erheblich steigern und — was noch 
wichtiger ist — uns in den Stand setzen, die Reparationslasten aus 
den Überschüssen unserer eigenen Wirtschaft ohne die fortwährende 
Aufnahme neuer Anleihen abzudecken. Insoweit stellt die Rationali⸗ 
sierung der Landwirtschaft, die hierzu die Wege bereiten soll, nicht nur 
ein Mittel zur Steigerung der Rentabilitäͤt der Landwirtschaft und 
der mit ihr wirtschaftlich zusammenhängenden Gewerbe, sondern auch 
eine Handhabe zur Verbesserung unserer handels⸗ und außenpolitischen 
Lage dar. 
Auch für die Innenpolitik ist die Rationalisierung der Landwirtschaft 
von Gewicht. Gelingt es, mit ihrer Hilfe die Krise der Landwirtschaft 
zu mildern, zu einer gleichmaͤßigeren Rentabilitaͤt der Betriebsführung
	        
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