Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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A. Tatsachen 
Dunkeln. Ob die im Verfolg der technischen und betriebs⸗organisato⸗ 
rischen Rationalisierung gesteigerte Produktivitaͤt der deutschen Wirt⸗ 
schaft den Marktbedürfnissen tatsächlich entspricht, ob die erhöhte 
Warenmenge auf die Dauer verkaͤuflich bleiben wird, in welchen Ge⸗ 
werbezweigen und zu welchen Bedingungen, ist generell nicht zu 
sagen. Zwar liegen von zahlreichen Gesellschaften Geschäftsabschlüsse 
vor, die mindestens für die Jahre 1927/28 eine im Vergleich zu 
den Vorjahren wesentlich günstigere Rentabilität aufzuweisen hatten. 
Inwieweit diese Ergebnisse jedoch auf die Besserung der Geldmarkt⸗ 
verhältnisse zurückführen waren und inwieweit sie der Rationalisie⸗ 
rung zuzuschreiben sind, ist in den seltensten Faͤllen erkennbar. 
Unklar ist auch, ob die günstige Entwicklung auf dem deutschen Ar⸗ 
beitsmarkt in den Jahren 1927 und 1928 trotz oder infolge der Ra⸗ 
tionalisierung erfolgt ist. Fest steht, daß die Durchführung technischer 
und organisatorischer Rationalisierungs maßnahmen in den Jahren 
1925/28 zahlreiche Arbeitskraͤfte freigesetzt hat. Andererseits hat wie⸗ 
derum eine große Anzahl von rationalisterten Betrieben neue Arbeits⸗ 
kräfte angenommen, ohne jedoch zuvor die Preise zu senken und damit 
die organische, die bleiben de Voraussetzung für eine Produktions⸗ 
steigerung auf normalem Wege zu schaffen. Die Verbesserung der Ge⸗ 
schaäftslage muß daher im wesentlichen auf die vermehrte Geldflüssigkeit 
zurückgeführt werden und auf die Erhöhung der Kaufkraft auf dem 
Wege von Nominallohnsteigerungen. Diese aber ist wiederum erst 
möglich geworden durch die Senkung der sächlichen Produktionskosten 
infolge der Rationalisierung, die es gestattete, für die personellen 
Produktionskosten einen höheren Betrag abzuzweigen. Die Tatsache, 
daß die Steigerung der Produktion und des Umsatzes bisher in 
Deutschland noch zu keiner ernsthaften „Überproduktionskrise“ geführt 
hat, ist sonach in entscheidendem Maße der Steigerung der Kaufkraft 
der breiten Massen verdankt. 
Andererseits beweist die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten 
Staaten, daß die Unstimmigkeit zwischen Angebot und Nachfrage
	        
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