industrie über ihren regelmäßigen Bedarf hinaus sich mit Rohmaterialien ein-
gedeckt oder sonst irgendwelche Vorsorge für einen lange dauernden Krieg ge-
troffen. Zu Beginn des Krieges geriet die Erzeugung und der Ab-
satz zunächst ins Stocken, da die Aufträge an Zivilwaren von der Kund-
schaft widerrufen wurden. Nach kurzer Zeit setzte aber.ein ungeahnt großer
Bedarf der Militärverwaltung ein und die Streichgarnwarenfabriken sowie
ihre Hilfsindustrien, die Streichgarnspinnerei und die Färberei, fanden bald
reichliche Beschäftigung, die im großen ganzen bis Ende des Jahres 1915 anhielt.
Im Jahre 1916 machten sich die Folgen der von England durchgefüh rten
scharfen Blockade der Mittelmächte fühlbar und es trat eine außerordent-
liche Knappheit an Textilrohstoffen ein, die die Staatsverwaltung nötigte,
die Aufteilung der beschränkten Rohstoffmengen nach einem bestimmten Schlüssel
planmäßig durchzuführen, die weitgehende Verwendung von Surrogaten bei der
Herstellung von Militärstoffen vorzuschreiben und die Wollindustrie unter Kon-
trolle zu stellen. Die Brünner Wollindustrie, die seit jeher auf die Verarbeitung
von Ersatzmaterialien eingerichtet war, hat in dieser Periode des Krieges ihre
große technische Leistungsfähigkeit glänzend bewährt. War die Brünner Woll-
industrie infolge ihrer für die Herstellung von Militärtuchen und Decken be-
sonders geeigneten Betriebseinrichtungen auch etwas besser beschäftigt als die
Wollindustrie anderer Plätze, so weist die Erzeugung im Jahre 1916 doch einen
sehr starken Rückgang auf und der Arbeiterstandsinktbis auf zwei Drittel
des Normalen herab.