Contents : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

398 Zweites Buch, Vorbemerkung.

ernster Lectionen lehrte, dass Armuth und Elend die unvermeidlichen
Folgen von kriegerischem Ruhm und Stolz sind; und dass nationale
 Würde und Glück lediglich in der freundlichen Concurrenz
verschiedener Reiche in der Schöpfung, dem Austausch und der Vertheilung
 jener verschiedenen materiellen und intellectuellen Gegenstände
 gefunden werden kann, welche das Wollsein unseres Geschlechts
 befördern.‘‘ (1. c. Bd. I, 8. 169.)
Ohne jedes Verdienst der Selbständigkeit ist Wade, history of
the middle and working classes, 3. Auflage, London 1835 — ein
Buch, das nur einige brauchbare kurze Uebersichten enthält.
Ganz in demselben Geist wie Ure schreibt Cooke Taylor; nur
bringt er weit weniger Thatsachen und weit mehr Polemik gegen
Fabrikgesetze — entsprechend der etwas späteren Zeit, in der er
schrieb. In dem Buche: Notes of a tour in the manufacturing disiricts
 of Lancashire, London 1842, wird das System der Grossindustrie
 als eine nicht zu ändernde "Thatsache betrachtet — was
ganz richtig ist insofern, als kein Vernünftiger daran denken wird,
eine vollzogene Steigerung unserer Productivkraft rückgängig machen
zu Wollen. Dass die plötzliche Einführung dieses Systems in Folge
neuer Lebensgewohnbheiten etc. gewisse störende Wirkungen hervorzebracht
 habe, gesteht Talyor zu, ja er übertreibt sogar in Folge
zeschichtlicher Unkenntniss die Plötzlichkeit des Umschwungs.
Er weiss hübsch zu schildern das erstaunlich geschäftliche Ansehn
der Stadt Manchester, die traurige Trennung der Arbeiter und
Arbeitgeber, die, in getrennten Stadtvierteln wohnend, von ihren
menschlichen Verhältnissen gegenseitig nichts wissen. Besonders
schildert er höchst beweglich das grausame Elend der Arbeiter
während der Geschäftsstockung und die erstaunlich würdige Halung
 der Arbeiter in ihrer Noth.
Aber es kommt ihm nicht der Gedanke, dass solches periodisches
Massenelend die natürliche Folge einer auf weiten Absatz speculirenlen
 Industrie ist, sondern er ist ganz überzeugt, dass Krisen bei
Freihandel nicht vorkommen würden — als ob in der Zeit der
vorangegangenen Ueberspeculation nicht ebenfalls Kornzölle bestanden
 hätten, und als ob überhaupt Zollverhältnisse das Schwanken
 des Absatzes verhindern könnten. Er plädirt für den Freihandel
 während einer Krise, gerade so und mit gerade so viel
Recht, wie heute die deutschen Fabrikanten während der Krise
Schutzzölle verlangen. Freihandel konnte damals die englische Industrie
 überhaupt befördern und die Gefahr der Korntheuerung vermindern
 — nicht Absatzschwankungen verhüten. ;
Demgemäss ist 'l’aylor ein Lobredner der Grossindustrie, die
an sich die Arbeiter in die denkbar besten Verhältnisse . versetze;
nicht die Arheiter, sondern die Vagyabunden in den grossen Städten
            
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