Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
angaben aus den drei letzten Jahrhunderten viel zahlreicher als 
diejenigen aus den drei ersten. Auf Feststellung örtlicher 
Jahresschwankungen der Preise hat sich d’Avenel nicht ein 
gelassen. Um die wirtschaftlichen Wandlungen durch sechs 
Jahrhunderte besser zu veranschaulichen, hat er Durchschnitts 
zahlen berechnet, und zwar nicht rein mechanisch, sondern 
unter Rücksichtnahme auf den verschiedenen Wert der Quellen 1 ). 
Der Text des Werkes ist in drei Bücher geteilt: das erste 
handelt vom Gelde, das zweite vom Boden, das dritte von den 
Löhnen. Ein flüchtiger Blick auf diesen Text zeigt uns schon, 
wie sehr d’Avenel hinter Levasseur an Wissenschaftlichkeit zu 
rücksteht. Mit Levasseur erforscht d’Avenel ein ungeheures, 
historisches Tatsachenmaterial; aber während jener alles aus 
seiner Zeit zu verstehen und am Maßstabe der jeweiligen zeit 
genössischen Bedürfnisse und des jeweiligen Standes der Kultur 
zu werten bestrebt ist, bleibt d’Avenel auf halbem Wege 
stehen und deutet alles im Sinne der klassischen Lehre. Le 
vasseur schreibt eine objektive Wirtschaftsgeschichte Frank 
reichs; bei d’Avenel wird diese Wirtschaftsgeschichte zur Apo 
logie des ökonomischen Liberalismus und Individualismus. 
d’Avenel stellt zwei allgemeine Schlußfolgerungen auf: 
1. Die Preise des Geldes, des Bodens, der Arbeit und aller 
Waren sind immer frei gewesen; kein gesetzlicher Zwang, kein 
privates Übereinkommen vermochte je dieselben zu unterjochen; 
die wirtschaftlichen Evolutionen sind von den politischen und 
sozialen unabhängig gewesen, sowohl im Mittelalter als in der 
Neuzeit und in der Gegenwart 2 ). 2. „Man lasse die moderne 
J ) Er macht jedoch darauf aufmerksam, daß die Durchschnittspreise des 
Ackerbodens eher höher, als sie tatsächlich gewesen, ausgefallen sind, weil näm 
lich die angeführten Preise sich meist auf Parzellenkäufe beziehen. Parzellen 
aber wurden in den früheren Jahrhunderten wie heute relativ höher bezahlt 
als grosse Flächen. Bd. I, p. XXVII. 
2 ) Bd. III, p. 480. Vgl. : „Politische oder gesellschaftliche Tatsachen 
und andererseits wirtschaftliche Tatsachen sind wenigstens zum Teil von ein 
ander unabhängig. Ein Land von Unfreien oder Halbfreien kann materiell 
glücklich sein, ein solches von freien Bürgern kann unglücklich sein. Was 
schlechte Regierungen, infolge von natürlichen Evolutionen, die sich, unab 
hängig von ihnen, in ihren Tagen vollzogen, besessen haben — ich meine den 
Wohlstand der Masse ihrer Untertanen — werden gute Regierungen mit Eifer und
	        
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