thumbs: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

heitsfozmel ohne Klarheit über das Verhältnis von Staat und 
Gesellschaft Die Bourgeoisie habe den Staat durch seine 
Expropriation in ihre Hand gebracht, die Arbeiterschaft 
müsse ihn durch seine Repropriation zu gewinnen trach- 
ten. Den besitzlosen Staat könne die Arbeiterklasse‘ wohl 
vorübergehend politisch erobern, aber nicht dauernd wirt- 
schaftlich behaupten. Der revolutionäre Entscheidungs- 
kamrf würde deshalb in der Finanztheorie und 
Finanzpolitik ausgefochten. Eine Staatshaus- 
haltsreform in diesem Sinne bedeute viel mehr als 
für die Generation vor. 100 Jahren die Verfassungs- ınd 
Verwaltungsreform, also Abkehr vom expropri- 
ierten Staat und schrittweise Umgestal- 
tung der Eigentumsverhältnisse durch 
neue Methoden der Finanzpolitik, Vermehrıumg 
des öffentlichen Eigentums. 
Gleichzeitig wird durch die Gedankengänge, die sich 
um das Schlagwort „Wirtschaftsdemokratie“ 
als Vorstufe des Sozialismus gruppieren, darauf hinge- 
wiesen, daß die öffentlichen Betriebe „auf Gıund ihrer 
Loslösung vom kapitalistischen Erwerbs- 
prinzip die Aufgaben haben, wichtige Funktionen im 
Prozeß der Demokratisierung der Wirtschaft zu erfüllen. 
Im demokratisch organisierten und regierten Staat ist ein 
Staatsbetrieb, in einer demokratisch organisierten 
und verwalteten Gemeinde ein Kommunalbetrieb 
eine Form des Werdens der Wirtschaftsdemokratie: 
wirtschaftliche Betriebe sollen hier der Herrschaft 
des Volkes unterworien sein. 
Was den öffentlichen Betrieb eines wirklich demokrati- 
schen (jemeinwesens von anderen Ansätzen zur - Demo- 
kratisierung der Wirtschaft — Wirtschaftsrarlamente, 
Selbstverwaltungskörper der Wirtschaftszweige, OGe- 
nossenschaftswesen — unterscheidet, ist dies: die für wirt- 
schaftliche Betriebe zuletzt verantwortliche Volksvertre- 
tung ist hier dasselbe Organ, das für die Vertretung aller 
anderen — politischen, kulturellen — Interessen durch all- 
gemeine Wahl gebildet wird. Bei anderen Formen der 
Wirtschaftsdemokratisierung handelt es sich hingegen stets 
um Organe, die ausschließlich mit‘ der Wirtschaft, 
(oder mit bestimmten Abschnitten der Wirtschaft) zu tun 
haben, Aus dieser Identität zwischen Organen 
der wirtschaftlichen und politischen 
Demokratie erwachsen die besonderen Probleme der 
modernen Öffentlichen Betriebswirtschaft. 
Nach Naphtali sind es folgende Merkmale, die, 
namentlich wenn sie alle zugleich auftreten, einen Wirt- 
schaftszweig für diese Form der Wirtschaftsdemokratie be- 
sonders geeignet machen. 
„Es muß sich handeln um 
i. Betriebe, die den Massenbedarf weiterer Be- 
völkerungsschichten eines Gebietes decken. oder von
	        
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