Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule.
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Die Vorstellung’ Sismondi’s über die nationalökonomische Methode
ist zweifellos stets richtig, wenn es sich darum handelt, praktische
Fragen zu untersuchen, die zukünftigen Folgen einer gesetzgeberischen
Reform vorauszusehen oder die Ursachen besonderer Ereignisse klar
zu legen; wenn es sich aber darum handelt, sich den allgemeinen
Mechanismus der wirtschaftlichen Welt vorzustellen, kann der Volks-
Wirtschaftler nicht ohne Abstraktionen auskommen, und Sismondi selbst
hat darauf zurückgreifen müssen. Allerdings hat er das mit einem
eigentümlichen Ungeschick getan und sein Mangel an Erfolg in der
Konstruktion und der Diskussion abstrakter Theorien mag wohl die
Ursache seiner Vorliebe für die entgegengesetzte Methode sein. Auf
jeden Fall erklärt sie uns teilweise den lebhaften Widerspruch, den
sein Buch unter den Anhängern der „volkswirtschaftlichen Orthodoxie“
erregte, eine Bezeichnung die von ihm stammt (Neue Prinz. S. 1),
und die starken Anklang fand.
Tm besonderen kann man sich kaum etwas verworreneres vor
stellen, als die Beweisführungen, mit denen er die Möglichkeit einer
allgemeinen Überproduktion darzutun sich bemüht 1 ). Als Aus
gangspunkt nimmt er eine Unterscheidung zwischen dem jährlichen
Einkommen und der jährlichen Produktion eines Landes an.
Nach ihm würde das Einkommen eines Jahres die Produktion des
folgenden Jahres bezahlen 2 ). Wenn daher die Produktion eines Jahres
größer ist, als das Einkommen des vorhergehenden, so bleibt ein Teil
*) Das Ungeschick Sismondi’s in abstrakter Beweisführung geht noch aus einer
Menge anderer Stellen hervor, besonders aus der Ungenauigkeit seiner Definitionen:
bald betrachtet es die Arbeit als: „Die Quelle alles Einkommens“ (I, S. 85), bald als
das Einkommen des Arbeiters (I, S. 96, 101, 110, 113, 114; II, S. 267 usf.), das zu den
Zinsen und der Bodenrente im Gegensatz steht. Niemals hat er das Nationalver
mögen vom Privatkapital unterscheiden können, und der Lohn ist ihm bald Kapital,
bald Einkommen (S. 379). Beständig gebraucht er unbestimmte Ausdrücke, wie reich
und arm, um Kapitalisten und Arbeitende zu unterscheiden {II, Kap. V). Zur Er
klärung der Art und Weise, wie sich die Höhe der Zinsen festsetzt, schreibt er an
einer Stelle: „Die Kräfte der Geldgeber (das Kapital) und die der Geldentleiher kommen
zu einem Gleichgewicht; wie auf allen anderen Märkten einigen sie sich auf einem
proportionalen Durchschnitt“ (!) (II, S. 36). Ebenso wirft er ständig Ein
kommen in natura mit Geldeinkommen zusammen.
2 ) „Das Einkommen des vorhergehenden Jahres muß die Produktion dieses (d. h. /
des laufenden) Jahres bezahlen“ (Nouv. Princ., I, S. 120). Weiterhin schreibt er;
„Zum Schluß geschieht überhaupt nichts anderes, als die Gesamtmenge der Jahres
produktion gegen die Gesamtmenge der Jahresproduktion des vorhergehenden Jahres
anszutauschen“ (S. 121). Sismondi legt großes Gewicht auf diesen Unterschied zwischen
dem Volkseinkommen und der Jahresproduktion; „Die Vermengung von jährlichem
Einkommen und Jahresproduktion hüllt die ganze Wissenschaft in Dunkel, aber alles
wird im Gegenteil klar und verständlich, alle Tatsachen stimmen mit der Theorie
überein, sobald man diese Unterscheidung macht“ (I, S. 366—367), Dabei ist er es
gerade, der Verwirrung schafft.