122 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
dem hinzu: der König dürfe nicht ins Reich gehen, er habe gegen
die Türken zu thun. Die deutschen Fürsten mußten froh sein,
versprechen zu dürfen, daß sie Sigmund nicht weiter als bis
nach Nürnberg zum Reichstag laden und ihn nach beendeten
Geschäften sogleich wieder ziehen lassen würden.
Darauf kam, Februar 1481, ein wirklich glänzend besuchter
Reichstag in Nurnberg zu stande. Und noch einmal glaubten
Sanquiniker an die Moͤglichkeit einer Reform, und noch einmal
beschloß man den großen Krieg gegen die Husiten. In der
That brach ein stattliches Heer unter dem Kurfürsten von
Brandenburg in Böhmen ein: aber bei Tauß, in der Nähe von
Pilsen, lief es vor dem ersten Angriff der Cechen schmählich
von dannen. Und wirklich verhandelte man über die gräulichen
Mißbräuche im Reiche, über die westfälischen Vemgerichte, über
die Verwirrung des Münzwesens und anderer Verkehrsregale:
aber das Ergebnis war schließlich nur, daß ein kärglicher Land⸗
friede auf ein ganzes Jahr, bis Martini 1482, geschlossen ward.
Das Volk mochte nach Reformen schreien unter Aufstellung
immer radikalerer Ziele, klarblickende Staatsmänner, wie ein
Nikolaus von Kues, mochten Systeme wohldurchführbarer staat—
licher Besserung entwerfen: der Nürnberger Reichstag hatte
gezeigt, wessen die Vertreter der Nation auch unter den günstigsten
Umständen fähig waren. Unter völligem Zerfall der Reichs—
gewalt, unter gleichzeitigen Einbußen an seiner Hausmacht ging
König Sigmund geschwächt den erneuten kirchlichen und religiösen
Bewegungen der dreißiger Jahre entgegen.
Nach ergebnislosen Verhandlungen eines Konzils zu Pavia
und Siena hatte sich Papst Martin V. kurz vor seinem Tode
entschließen müssen, ein neues allgemeines Konzil zum J. Februar
1431 nach Basel auszuschreiben. Sein Nachfolger, der listige
Eugen IV., mußte wenige Tage nach seiner Wahl am
12. März die Berufung des Konzils bestätigen. Es wurde am
23. Juli eröffnet, aber nur langsam kamen die Verhandlungen
in Fluß. Sie bewegten sich, unter dem Vorsitz des edlen und
reformfreundlichen Kardinals Julian Cesarini, sofort in
der verlängerten Richtung der guten Zeiten von Kon⸗
stanz. Daneben war die Anstrengung darauf gerichtet,