Full text: Die Social-Demokratie

216 Vili. socialistische Zukunftsbilder. 
— die muß, wenn sie eine Spur von Konsequenz hat, bei 
den Forderungen der Social-Demokratie, jedenfalls bei der 
Forderung einer gleichmäßigeren Vertheilung der Güter anlom- 
men. Für eine rein materialistische Denkart ist die Existenz 
der unteren Klassen z,l freudlos itrtb zu ungerecht." *) 
Es malt die Social-Demokratie die Zukunft nach der 
Seite des irdischen Geuusies mit hellen Farben aus. Ter 
Kommunismus soll die gesammte Menschheit „zum größt 
möglichen Glück" führen. (N. Soc.-Demokrat 1873, 9. 70.) 
Sie will „die größtmögliche irdische Seligkeit für alle Menschen" 
erringen. (N. Soc.-Demokrat 1873, 73.) Unter Vorspiege 
lung der irdischen Glückseligkeit weiß sie sogar zu den Reichs 
lagswahlen zu begeistern. So schrieb der „N. Soc.-Demo- 
krat" unmittelbar vor beit letzten Wahlen (1874, 3): 
..Schon der Gedanke ist für das arbeitende Volk zündend, 
„daß der einzelne Proletarier in dem Atigenblicke, wo er 
„seinen Stimmzettel in die Wahlurne legt, politisch gleich, 
„gestellt ist mit dem Millionär; aber noch zündender ist der 
„Gedanke, daß durch die einfache Abgabe des Stimmzettels 
„ein Hanimerschlag geschieht zur Errichtung der Brücke, 
„welche das Proletariat zu seinem Rechte führt, ja welche 
„die Menschheit in die irdische Glückseligkeit hinüberleitet." 
Es wiederholt sich auch die schon von Lassalle gegebene 
Versicherung, daß die socialistische Gesellschaft „die höchste 
„moralische und intellektuelle Entwickelung verbürgt" (R. 
Soc.-Demokrat 1873, 34.) In Nr. 117 desselben Jahr 
gangs werden neben allgeineiner wissenschaftlicher Ausbildung 
besondere Kunstgenüsse in Aussicht gestellt: 
„Dann werden auf den Allen zugänglichen Lehranstalten 
„die Wisienschaften zum Gemeingut werden; dann werden 
*) Schmoller, Die sociale Frage und der preußische Staat.
	        
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