Ehescheidung.
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Zahlen schienen Bachi den Beweis dafür zu liefern, daß ‘der
„Neomalthusianismus weit schneller um sich greife als der
Malthusianismus‘“ 194.
3. Ehescheidung.
Ein weiteres moralstatistisches Kriterium wird in der Zahl
der Ehescheidungen erblickt.
Die Zahl der Ehescheidungen sagt aber über die Zahl der Ehe-
brüche nichts Entscheidendes aus, Weder führt ‚jeder Ehebruch
zur Ehescheidung — zur Ehescheidung dürfte sogar nur ein
verschwindender Bruchteil der Ehebrüche führen — noch liegt
der ausgesprochenen Ehescheidung bekanntlich notwendiger-
weise Ehebruch zugrunde. Noch irrtümlicher wäre es, die Höhe
der in einer Bevölkerung vorkommenden Ehebrüche aus der
Zahl der dort vor sich gehenden Eifersuchtsdramen, Gatten-
morde oder Anzeigen des Mannes betreffs Ehebruchs der Frau
entnehmen zu wollen. Hier würde, wie Colajanni sehr mit
Recht bemerkt1%, wollte man schon Schlüsse ziehen, immer
noch eher der umgekehrte Schluß gezogen werden müssen,
nämlich der, daß je mehr Ehebruchsdramen irgendwo ent-
stehen, desto mehr angenommen werden dürfe, daß die Ehe im
Volke als feste und heilige Institution gewertet werde. Denn die
Jaxe Eheauffassung, wie sie einen beträchtlichen Teil der nörd-
lichen Länder im Gegensatz zu den südlichen kennzeichnet und
zum Teil auch Norditalien von Süditalien 'scheidet (der Ehe
wohnt in Palermo eine ganz andere Festigkeit inne als etwa in
Turin), würde es zu Ehedramen gar nicht kommen lassen. Hier
ist je nach der Berechtigungs- und Zweckmäßigkeitsfrage des
Einzelfalls zu unterscheiden. Als statistisch festgestellte Massen-
14 Riccardo Bachi, Saggio su alcune influenze demografiche della
grande cittä sul territorio circostante, Roma, Officina Poligrafica Italiana.
p- 16£.
1955 Napoleone Colajanni, Latini e Anglo-Sassoni. Razze inferiori
£ razze superiori. 2 Ed., Roma 1906, Rivista Popolare, p. 87.