IX
ergibt eine entgeistigte, am Äußerlichen klebende, ursächliche,
nie ans Herz vordringende Wissenschaft. Das andere Verfahren
geht auf den Urquell zurück, das Ganze, und ist durchgeistigte,
innerlich mitwissende, einsichtige Wissenschaft.
Der Begriff der Ganzheit ist das echte Samenkorn lebendiger
Wissenschaft, der Begriff getrennter Einzelheit ist die Drachen-
saat der Irrlehre und zuletzt toter Wissenschaft.
Was im Besonderen das Lehrstück von Tausch und Preis
anbelangt, so ist bekannt, daß es in der überkommenen Wissen
schaft der Volkswirtschaftslehre dem ganzen Lehrgebäude
durchaus die grundlegenden Begriffe liefert. Vom Tausch
begriffe aus wird der jeweilige Wertbegriff erst zum Preis
begriff verarbeitet, die Preisgesetze werden dann ihrerseits
wieder zu Grundgesetzen der Einkommensverteilung und der
Verteilung der Wirtschaftsmittel überhaupt weitergeführt,
indem Rente, Zins, Unternehmergewinn und Lohn als Sonder
formen des Preises begriffen werden. Preis und Tausch sind,
so darf man sagen, das Reich der Mitte in unserer Wissenschaft.
Im Verhältnis zu ihnen sind alle anderen Begriffe nur Ab
leitungen. Diese Erscheinung wird allgemein als eine schlecht
hin gegebene Grundtatsache der volkswirtschaftlichen Theorie
hingenommen — denn sie besteht seit über 200 Jahren. Smith,
Ricardo, Marx und sogar die Schulen der Grenznutzenlehre
legen davon Zeugnis ab.
Ich habe in meinem „Fundament" eine andere Auffassung
zu entwickeln versucht, wonach der erste Grundbegriff der
Volkswirtschaftslehre nicht der Tausch, sondern die Leistung ist;
und Leistung ist nur als Glied einer Ganzheit faßbar. Diese
Auffassung muß für sich selbst sprechen; es kann nicht der Zweck
der vorliegenden kleinen Arbeit sein, sie neuerdings zu be
gründen. Jedoch war in jenem Buche nicht der Ort, die