Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
Auf die Wohnungsverhältnisse, den engen Arbeitsraum und 
das Schlafgängerwesen sei nur vorübergehend als geschlechts- 
moralisch verderblich verwiesen %1* 
Die Herkunft der Prostitution als eines ganz wesentlich öko- 
nomischen Problems (Prostitution als geschlechtliches Re- 
sultat des Elends) ist, nicht ohne zu starke Verallgemeinerung, 
von einer Reihe von hervorragenden Gelehrten, zumal unter 
den französischen Sexualforschern, wie Parent-Duchatelet, 
Fiaux, Augagneur u. a. ins richtige Licht gestellt worden. Auch 
bei den meisten Vertretern der internationalen modernen Straf- 
rechtsschule hat diese Auffassung Wurzel gefaßt282, 
Die einwandfreie Feststellung der Zahl der sich aus un- 
genügender Lohnhöhe Prostituierenden entzieht sich wiederum 
der Statistik, einmal, weil sich der Tatbestand an sich schon 
schwer feststellen läßt. Ferner, weil eben überhaupt nur die 
unter polizeilicher Kontrolle stehenden Mädchen statistisch er- 
faßbar sind, die Zahl derer, die sich nur gelegentlich aus 
2812 Hierüber verweisen wir u. a. auf: Etienne Cabet, Almanach Icarien 
pour 1844, Paris 1844, Prevot, p. 128 ss.; Bürgermeister Lange, Die 
Wohnungsnot der ärmeren Volksklassen in Bochum, im XXXI, Bande der 
Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Leipzig 1886, Duncker, S. 92/93; 
Frankenstein, S. 191; Otto von Leixner, 1888-—1891, Soziale Briefe 
aus Berlin. Mit besonderer Berücksichtigung der sozialdemokratischen 
Strömungen, Berlin 1891, Pfeilstücker, S. 124; F. Wörishoffer, Die so- 
ziale Lage der Fabrikarbeiter in Mannheim und dessen nächster Umgebung. 
Karlsruhe 1891, Thiergarten, S. 208ff.; Lily Braun, Frauenfrage, S. 308; 
J, Altenrath, Das Schlafgängerwesen und seine Reform, Berlin 1919, 
Heymann, S. 3; Victor Noack, Kulturschande. Die Wohnungsnot als 
Sexualproblem, Berlin 1925, „Der Syndikalist“, S. ı9. — „Nach einer 
Aufstellung hatten 1920 — also zu einer Zeit, da die Wohnungsnot noch 
nicht so hochgetrieben war wie heute — 150000 Berliner Familien nur 
je ein Zimmer, Nicht einmal, nein, öfter hausten ı4 Familienmitglieder 
— außer den Eltern zwölf Kinder — in einer Stube und Küche, Kinder 
haben selten ein eigenes Bett. Häufig schlafen vier Personen auf einem 
Lager,“ (Dührssen, S, 54.) 
282 W, A. Bonger, Criminalite et Conditions 6conomiques, Amsterdam 
1905, Tierie.
	        
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