Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. Kriterien. 
Kinder hegen und pflegen#%, gerade die uneheliche Natalität 
gar zur Wertung eines Symptoms hoher Moral gelangen müßte. 
Noch ein weiteres: In manchen deutschen Gegenden, wie in 
Südbayern, wo die Sitte fordert, daß die Bauernpaare bereits 
vor der Ehe miteinander geschlechtlich verkehren, müssen die 
Mädchen oft fürchten, daß ihr Schatz sie nicht heiratet, wenn 
sie ihm ihre Liebe nicht durch Preisgabe beweisen ®22, Hier wird 
also das uneheliche Kind zum Treupfand und zur Hoffnung 
auf die monogamische Ehe. Wie berichtet wird, hat sich die 
Sitte vorehelichen Zusammenlebens vielfach so sehr einge- 
bürgert, daß, falls der Bräutigam mit seiner Braut nicht 
bereits vor der Heirat den Geschlechtsakt vollzieht, diese 
sich zurückgesetzt fühlt32®, Oder daß, wie es ebenfalls häufig 
vorkommt, die Mutter nicht nach dem ersten, sondern nach 
dem zweiten oder dritten Kind geheiratet wird. Denn das 
Kriterium besteht darin, daß überhaupt geheiratet wird. 
Selbst die Fruchtabtreibung vermag, in Einzelfällen, durch 
schte Liebe der Geschwängerten zum Manne sowie Hoffnung 
auf Ehe und Kinder veranlaßt zu werden 324. 
321 Vgl. dazu auch Lamartine, S. 308. 
322 Schallmeyer, S. 361. 
328 Hellpach, S. 38. 
4 Was von Juristen als Beispiel für die Härte des $ 218: „Eine 
Schwangere, welche ihre. Frucht vorsätzlich abtreibt oder im Mutterleibe 
tötet, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft, Sind mildernde 
Umstände vorhanden, so tritt Gefängnisstrafe nicht unter sechs Monate 
ein,“ verwandt worden ist. (Dührssen, S. 77.)
	        
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