Krieg und Nachkriegszeit.
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regte Mann sehr wohl spürt und die er sich für seine Liebes-
taktik zu Nutze macht). Wie der englische Gewährsmann sagt:
„The worship of the warrior, the hero, by the female is not
confined to anyone species. The desire of the soldier to shine
in the eyes of the opposite sex is by no means uncommon 7%,“
C. Unter den psychologischen Elementen dieser Situation
möge auch die Nirvanastimmung erwähnt werden, die, als
aus der Unsicherheit des Lebens geboren, zum hLebens-
genuß drängt oder doch zu ihm einlädt. So heißt es vom
Liebesleben in der großen französischen Revolution: „Le sang
vers tous les jours, Vincertitude de vivre un lendemain,
fouettent dans les veines les fievres lubriques, l’impatience des
voluptes 71,“ Dagegen vermochte selbst der Purismus der Jako-
biner nicht aufzukommen ; trotz aller von ihnen anempfohlenen
Sittenstrenge, den Haussuchungen, dem Schließen der Bor-
delle, dem auf die Dirnen ausgeübten Zwang, sich einen
bürgerlichen Beruf zu wählen, kommen sie zu dem un-
erwarteten, traurigen Ergebnis: Il faut des filles!?? Indes
äußerte sich die Erhöhung des turgor vitalis im Liebesleben
der französischen Revolution auch auf gesetzlichem Wege;
gerade in den Jahren der größten politischen Leidenschaft
(an I bis an III) steigen die Heirats- und die (ehelichen) Ge-
burtenziffern ganz außerordentlich; die Todesziffern allerdings
desgleichen ?$,
Jedes brüske Heraustreten aus der gewohnten Ereigniswelt
intensifiziert den Geschlechtstrieb und leitet ihn auf abschüssige
Bahnen. Die Wirkung der mißglückten russischen Revo-
tion von 1905 und der auf sie folgenden Reaktion auf das
70 Burke, S. 308.
71 Edmond et Jules de Goncourt, Histoire de la Societ6 Fran-
;aise pendant la Revolution, Paris 1889, Quantin, p. 182.
2 Goncourt, S. 1932.
23 Jacques Bertillon, La Population de Paris, in La Societ6 de
Statistique de Paris: Notes sur Paris, Nancy 1909, Berger Levrault, p. 23.