Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Ku) 
Zweiter Teil. 
sache stützen zu können vermeinen. So glaubt z. B. Fourier in 
seinem System auch ein Präventivmittel gegen die Übervölke- 
rungsgefahr gefunden zu haben. Und zwar durch zwei Um- 
stände: durch die gute Ernährung, welche Unfruchtbarkeit be- 
günstigte, und dadurch, daß die Frau mit mehr als einem Mann 
Geschlechtsverkehr ausüben dürfte, ein Umstand, der in der 
gleichen Richtung wirksam werden müßte ®. Wegen der geringen 
Gebärfähigkeit der polygamen Frauen aber in der Statistik die 
in einem Volke vorhandenen Prostituierten aus der Zahl der 
gebärfähigen Frauen ohne weiteres ganz auszuschließen, wie das 
ebenfalls gefordert wird?, hieße vielleicht doch Richtiges etwas 
gar zu sehr auf die Spitze treiben ®. Daß dagegen aus der Zahl 
der Zeugungsfähigen die Strafgefangenen beider Geschlechter 
auszuscheiden haben, ist klar. 
Ein weiterer Abzug von der Zahl der Gebärfähigen wäre von- 
nöten. Die sterilen Frauen und die Sterilisierten, Letztere 
wiederum zerfielen in zwei Kategorien: die kinderunlustigen 
und die kranken. Es handelt sich also zunächst um die 
Prävention durch die antikonzeptionellen Mittel, wie sie sich 
immer weiter von Frankreich und England aus in der Welt aus- 
gebreitet haben. Sodann kommt in Betracht die künstliche 
Sterilisierung der Frauen durch Apparate oder durch operative 
Eingriffe?®, 
stellen, wie viele von diesen nicht bereits vor dem Übergang zum eigent- 
lichen Gewerbe, d. h. aus monogamischen oder doch nur oligogamischen 
Verhältnissen heraus, zu Müttern geworden sind. 
& E, Silberling, Dictionnaire de Sociologie Phalansterienne. Guide des 
Oeuvres complötes de Charles Fourier. Paris 1911, Riviere, p. 344. 
7 Friedrich Lindner, Die unehelichen Geburten als Sozialphänomen. 
Ein Beitrag zur Statistik der Bevölkerungsbewegung im Königreiche Bayern, 
Leipzig 1900, Deichert, S. 88. 
3 Vgl. auch A, G. B. Parent-Duchatelet, De la Prostitution dans 
‚4 Ville de Paris, 3 Ed., Paris 1857, Baillöre, vol. I, p. 217—230. 
9 Reinhold Seeberg, Der Geburtenrückgang in Deutschland. Eine 
zozialethische Studie, Leipzig 1913, Deichert, p. 40.
	        
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