medizinische Theorie, daß nicht zeitweise völlige Aus-
spannung, sondern viel eher Abwechslung in der Be-
schäftigung und in den Interessen, besonders wenn sie
mit Reisen verbunden ist, den Menschen am aller-
besten zu Arbeit unter Hochdruck befähigt. Morgans
Leben kann wohl herangezogen werden, um diese
Theorie zu stützen. Von Anfang an erforderte seine
geschäftliche Tätigkeit zwei oder drei Ozeanreisen im
Jahr, und bei seinen Reisen in Europa gab es für ihn
als Kunstfreund und -sammler so viel zu sehen und zu
tun, daß er in seinem abwechslungsreichen Leben
schließlich keine Zeit hatte, krank zu werden.
Er lebte abwechselnd in Rom, London, Paris und
New York. London kann als die Geburtsstätte der
Größe des Bankhauses Morgan betrachtet werden,
denn dort nahm sie ihren Ursprung, als Junius Spencer
Morgan der Nachfolger von George Peabody wurde;
und als John Pierpont Morgan in New York eine eigene
Firma errichtete, hatte er nicht nur eine ausgezeich-
nete Lehrzeit in dem Londoner Haus seines Vaters
hinter sich, sondern übernahm auch dessen Vertretung
in Amerika.
In England besaß Morgan außer seinem Geschäfts-
haus ein Anwesen in Prince'’s Gate, wo er Kunst-
schätze aus allen Ecken Europas zusammentrug, ein
Haus in Putney und ein anderes in Grosvenor Square.
Das Haus in Prince’s Gate war vierstöckig und stand
an einer Ecke, so daß seine Front nach dem Hyde
Park sah; es war nicht weit von dem berühmten Albert
Memorial entfernt. Nicht lange vor seinem Tode er-
warb er ein Nachbarhaus von fast der gleichen Größe,
wo er eine Kunstgsalerie einrichtete. Es wurde im
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