38 ‚ Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der. Weltwirtschaft,
diese an zweiter Stelle stehende Handelsbewegung ein, der bedeutungsvolle Abfluß
jes . Exportüberschusses des natürlichen Gläubigerstaates, der dafür Schuldverschreibungen.
des natürlichen Schuldnerlandes erhält, Dieses nutzt den Produktionsüberschuß
des Gläubigers dadurch mit Vorteil aus, indem es die mangelhafte eigene
Produktionsmaschinerie verbessert. Auf solche Art, und .nur auf solche Art werden
internationale Schulden geschaffen, und nur solange der Schuldner ein natürlicher
Schuldner bleibt, werden. die Zinsen und Amortisationsgefälle gezahlt.“
Die Rede ist in der deutschen Presse scharf kritisiert worden, Hervorgehoben
zu werden verdient der Hinweis der Kölnischen Zeitung (a. a. O.): „Die Beilissenheit,
mit der amerikanische Telegraphenagenturen die Rede des Herrn Auld
in Europa verbreiten, deutet bereits darauf hin, daß hier eine Einflußnahme
auf die europäische öffentliche Meinung im Sinne der amerikanischen
Auffassung zur Entschädigungs- und internationalen: Schuldenfrage versucht wird.‘
Zu den Ausführungen von Auld ist dreierlei zu sagen. Erstens besteht ein
üungeheuerer Unterschied, worauf die deutsche Presse bereits hingewiesen hat, zwischen
gewöhnlichem Kapitalexport ins Ausland und der Reparationskapitalbildung
zu Gunsten des Auslandes. Bei gewöhnlichem Kapitalexport wird das importierende
Land mit den Leistungen des Exportlandes ausgestattet, sodaß zu Recht eine Überiremdung
des Eigentums und der oberen Funktionärstellen der mit dem Kapital
geschaffenen industriellen und Verkehrsanlagen stattfindet. In unserem Falle dagegen
erfolgt die Überfremdung auf der moralisch unhaltbaren Grundlage des Versailler
Diktats. Alle Beteuerungen des ehemaligen Rechnungsdirektors des Wiederherstellungsausschusses
vermögen nicht, Unmoral in Moral zu verwandeln!). Dies
um so weniger, als die einzige Effektivität der Reparationszahlungen, — und den
fiktiven Charakter zeigt ja grade Auld selbst auf —, wie wir gesehen haben, eine
Störung unseres kulturellen Lebens ist und solche Störung deutscher Kultur doch
keine Wiederherstellung von Schäden in den Entente-Ländern darstellt! ©
Zweitens muß man Auld, dem genauen Kenner des Dawesplans, mit Bonn?)
entgegen halten, daß „geborgte Leistungsfähigkeit keine Leistungsfähigkeit in den
Augen des Dawesplans ist, abgesehen. von den ausdrücklich vorgesehenen Bestimmungen
über die Kreditaufnahme‘“ — „Wenn es keine Übertragungsschwierigkeiternt
gibt, so ist damit noch nicht gesagt, daß es keine Aufbringungsschwierigkeiten gibt.“
— „Wenn ein Land den Steuerdruck deswegen erträgt, weil seinen Steuerzahlern
die Kapitalien, die sie an den Fiskus abliefern, gegen 7%) von ausländischem Kapitalisten
wieder vorgeschossen werden, so ist die Leistungsfähigkeit für Steuerzwecke
nicht erwiesen.“ — „Zur Nachprüfung der Überlastung Deutschlands muß
dann der Steuerdruck mit dem Druck in den alliierten Ländern verglichen wer-1)
Siehe hierzu die Bemerkung der Kölnischen Zeitung (a. a. O.): „Woher will Herr Auld
wissen, daß die Deutschland auferlegte Last nach der Meinung der internationalen Öffentlichkeit
den Grundsätzen der Billigkeit entspricht? Nehmen wir einmal die Auldsche Formel
an, daß die Kriegsverluste unter den Völkern Europas in fairer Weise verteilt werden müssen.
Weiß Herr Auld etwa nicht, daß dem Schuldposten der Alliierten gegenüber. dem amerikanischen
Gläubiger eine durchaus gleichwertige Zerstörung deutschen Inlandvermögens
gegenübersteht? Gewiß haben Frankreich und Belgien ihre zerstörten Gebiete. Was berechtigt
dann aber das territorial vom Kriege gänzlich verschont gebliebene England zu Geldansprüchen
an Deutschland? : Von den Vorleistungen Deutschlands durch Auslieferung seiner
Handelsflotte, Abgabe allen unmittelbaren Kriegsgeräts, Verlust des gesamten Auslandsvermögens
usw. weiß der Amerikaner nichts.“ . ; . . ;
%) Bonn, Befreiungs- oder Beleihungspolitik, a, a, 0. Seite 136f£. .
5) Es kommen Zinsen bis über 10% in Frage; siehe unter Kapitel 3,