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Auch dieser Gedanke sei kurz erwähnt. Grundjätzlich ist zu diesem
System zu sagen, daß diese Führerschulen, wenn sie mit privaten
Mitteln erhalten werden, die Gefahr in sich tragen, daß die Pluto—
kratie sich ihrer bemächtigt. Die Erfahrung hat auch bereits gezeigt,
daß die plutokratischen Gewalten stets darauf ausgehen, derartige
Führerschulen einzurichten und die Schüler im Interesse plutokra—
tischer Machtentwicklung zu schulen. Für die staatspolitische Aufgabe
der Gestaltung der Führerschaft im Volksstaat kann eine solche poli—
tische Schulung nur einen beigeordneten Zweck haben. Die Schule
staatsbürgerlicher Erziehung, aus welcher der Volksstaat die Laufbahn
seiner Führerschaft ableitet, ist die Gemeinschaft aller Staatsbürger,
und nicht die kleine Schar Auserwählter, denen die Mittel zur Ver—
fügung standen oder gestellt wurden, eine besondere Schule zu be—
suchen. Die Führerschaft der Auslese muß vom Standpunkt des
Vollsstaates abgelehnt werden, weil sie niemals mehr sein darf als
eine Unterstützung für die Führerschaftsgestaltung im allgemeinen.
Die Wahlfüuhrerschaft
Weite Kreise des deutschen Volkes standen bereits seit langer
Zeit im Gegensatz zur Beamtenführerschaft. Ihre immer mehr her—
vortretende Verbildung zur Kaste hatte sie dem Volke entfremdet.
Während des Krieges trat die Volksfremdheit der Führerschaft immer
mehr in den Vordergrund. Die Wünsche nach Neuerung und Um⸗
gestaltung des Staates erstarkten durch das Fronterlebnis. Das über⸗
ragende Ansehen der herrschenden Kasten ging zurück. Das Ver—
sprechen, eine Neuerung im Staate durchzuführen, derzufolge „den
Tüchtigen freie Bahn“ geschaffen werden sollte, war ein Versuch der
kastengebundenen Führerschaft, die wachsende Verstimmung des Volkes
gegen sich selbst zu hemmen. Es blieb ein leeres Wort und wurde
nicht verwirklicht. Eine geringe Erweiterung der überlieferten Nor—
men wurde dort geschaffen, wo die eiserne Not der Landesverteidigung
dazu zwang. Um so mehr erhärtete sich im Volke der Widerstand
gegen die Struktur des alten Staates. Es war selbstverständlich,
daß die Forderung nach der Umgestaltung der Führerschaft in dem
Augenblick zur Volksbewegung wurde, in dem es nicht mehr zu ver—
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