Sicherung des Friedens
Die Garanten des Diktates von Versailles glauben,
den Frieden durch die Niederhaltung Deutschlands zu
fichern. Der Friede ist aber durch nichts mehr gefährdet
als durch die Unfreiheit eines großen Volkes.
Nur Gerechtigkeit kann der Untergrund eines wahren Friedens—
zustandes sein. Jeder Druck löst Gegendruck aus. Wenn man den
Frieden stärken will, dann muß man die Drahtzieher des Krieges
schwächen. Drahtzieher des Krieges sind aber stets diejenigen, für
die der Krieg einen Gewinn bedeutet. Der Weltkrieg hat wieder
deutlich bewiesen, daß die plutokratischen Gewalten es sind, welche
die Kriege heraufbeschwören und verlängern. Der Weltkrieg war
ein Krieg, der dem aufblühenden Wohlstand Deutschlands galt. Seine
Fortsetzung bis zum Ruhreinmarsch Poincarés galt dem Besitz von
Kohle und Eisen. Er ist erst beendet, seitdem sich die Plutokratien
um diesen Besitz geeinigt haben. Vielleicht wird der nächste Krieg
um die Olquellen gehen. Auch das wird ein Krieg der Plutokratien
sein.
Wenn also der Frieden gesichert sein soll, dann geschieht das
nicht durch Diktate nach dem Muster von Versailles, sondern nur
durch die Kontrolle der Mächte, welche die Kriege heraufbeschwören.
Plutokratisch regierte Staaten bieten keine Gewähr
für die Sicherung des Friedens.
Volksstaaten bieten die Gewähr, daß sie nur Kriege entfesseln,
die mit der Verteidigung ihrer Lebensnotwendigkeiten und ihrer Frei⸗
heit zusammenhängen. Da es keine höhere Sicherung gibt, besteht
hierin auch der einzige Weg zur Sicherung des Friedens. Die Lehre
vom Volksstaat erhebt daher die Forderung:
Sicherung des Friedens durch Neubau der Staaten.
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