bestimmt. Darum muß dieser Gegensatz völlig ausgeschaltet werden. Es
muß die Frage aufgeworfen werden, ob es ein anderes System gibt, dem—
zufolge eine wirkliche Demokratie hergestellt werden kann. Das Wort
Demokratie ist im deutschen Volke umstritten. Was aber im politischen
Kampfe auch gegen dieses Wort angeführt wird, gilt nicht dem weltan—
schaulichen Inhalt, den dieses Wort verkörpert. Es gilt vielmehr der
augenblicklichen Erscheinungsform der Demokratie.
Diese Erscheinungsform führt das Wort Demo—
dratie zu Unrecht, weil der Einfluß des Volkes in ihr
zast vollkommen ausgeschaltet ist.
Es ist eine geschichtlich feststehende Tatsache, daß das gesamte deutsche
Volk eine Staatsordnung anstrebt, in der es selbst verantwortlich mit—
regiert. Dieser Wille erfüllt nicht nur die Volkskreise, welche sich
demokratisch nennen, sondern auch dieienigen, welche sich zur Monarchie
bekennen.
Der wahre Gegensatz besteht also nicht in den Weltanschauungen von
Monarchie oder Demokratie, sondern in der Weltanschauung von Demo—
ratie und Absolutismus.
Darnum müssen wir die gegenwärtige Bewegung des deutschen Volkes
als eine geschichtliche Fortsetzung des Weltgedankens der Demokratie
erkennen. Diese Bewegung richtet sich gegen die moderne Demokratie
deshalb, weil sie keine wahre Demokratie, sondern eine Plutokratie ift.
Die Partei eine Privateinrichtung
Der Gedanke, der sich durch alle Bewegungen der Gegenwari
hindurchzieht, ist der soziale. Die Revolution von 1918 war von weit⸗
gehenden sozialen Forderungen begleitet. Weite Kreise des Volkes
forderten die Uberführung der Bodenschäbe in den Besitz des Staates.
Diese Forderung war aus dem Wunsche geboren, der sozialen Gerechtig⸗
keit zu dienen. Die Bewegung ging vielfach so weit, den Privatbesitz
auszuschalten, ja gänzlich abzuschaffen. Zu derselben Zeit wurde das
höchste Gut des Volkes, der Staat, in die Hände des Privatbesitzes über⸗
geführt. Dieses ist eine natürliche Folge der parteiistischen Gliederung.
Das allgemeine gleiche Wahlrecht wurde mit der Revolution verkündet.
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