fullscreen: Warum reisen Arbeiterdelegationen nach Sowjetrußland?

das charakteristischste Zeichen der wachsenden Sympathie der Arbeiter 
für die USSR. ist der erbitterte Kampf der Weltreaktion und des inter- 
nationalen Kompromißlertums gegen die Versuche der Arbeiter- 
delegationen, die Wahrheit über Sowjetrußland zu erzählen, dessen 
Kurs an der Weltbörse sehr niedrig steht, was jedoch dem Sowjet- 
proletariat und seinem Staate nur zur Ehre gereicht. 
Der Kampf um die Wahrheit über die USSR. 
Nach ihrer Rückkehr waren die Delegationen in vielen Ländern 
vor die Wahl gestellt: entweder zu schweigen oder ohne Rücksicht auf 
die Verfolgungen und Einschüchterungsversuche, den Massen über das 
von ihnen Gesehene zu berichten. Die überwiegende Mehrheit der 
Delegierten scheute vor der Drohung nicht zurück, sondern nahm den 
Kampf für die Wahrheit über die USSR auf, den Kampf um das Recht 
auf Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen referieren zu dürfen, den 
Kampf um Preßberichte, um das Recht, die USSR. nicht zu verleumden! 
Da, wie gesagt, die zurückgekehrten Delegationen im Mittelpunkte der 
Aufmerksamkeit der Massen standen, mußte jeder Teilnehmer über 
seine Eindrücke referieren. Die Zahl der abgehaltenen Versammlungen 
und ihrer Teilnehmer ist sehr schwer festzustellen. In Deutschland 
allein wurden 1500 Versammlungen und Meetings veranstaltet. Be- 
rücksichtigt man, daß in den letzten 1% Jahren rund 500 Delegierte 
die USSR. besucht haben, so geht man wohl nicht fehl in der Annahme, 
daß Millionen Arbeiter unmittelbar von ihren Vertretern Nachrichten 
über das ferne und doch so nahe Sowjetrußland erhielten. Es muß 
schon gesagt werden: Der Kampf der Arbeiterdelegationen für das 
Recht, die Wahrheit zu berichten, gehört zu den lebendigsten Seiten 
der Geschichte der Arbeiterbewegung der letzten Jahre. Vergegen- 
wärtigen wir uns die geistige Verfassung eines Arbeiters, der zwei Jahr- 
zehnte in der sozialdemokratischen Bewegung steht. Er interessiert 
sich für die Vorgänge in der USSR. Mit seinem proletarischen Auge 
sieht er viele Mängel, er sieht aber gleichzeitig auch, wie überall neues 
Leben sproßt, wie sich die sozialistische Wirtschaft entwickelt. Er 
vergleicht, was seine Partei, die im November 1918 die Macht in 
Deutschland erhielt, aus Deutschland gemacht hat, und was die Bolsche- 
wisten nach der Revolution im Jahre 1917 aus dem alten Rußland 
gemacht haben. Die Sozialdemokraten mögen sich noch so sehr 
wehren, niemand von ihnen kann der Tatsache widersprechen, daß die 
Bolschewisten nach 1917 die Macht nicht mehr aus den Händen ge- 
lassen haben, die Sozialdemokratie dagegen sie der Bourgeoisie über- 
tragen hat. Derselbe Arbeiter sieht, wer der Eigentümer der Fabriken 
und Unternehmungen in der USSR. und in seiner Heimat ist. Erinnert 
er sich noch der zynischen Offensive des Kapitals, des faschistischen 
Bandenunwesens, so kommen ihm noch mehr bittere Gedanken und 
Vergleiche. Er kehrt zurück, mit der Absicht, seine Klassenbrüder 
über das Gesehene zu unterrichten und erfährt, daß er inzwischen ent- 
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