Full text: Mexico

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 59 
Indianern oft sehr nahe oder auch gleich. Die Minderheit der 
Mischlinge und die Mehrheit der weißen Mexicaner 
betreiben, soweit sie nicht im Staats- oder Gemeindedienst be- 
schäftigt sind, selbständig Landwirtschaft, Bergbau oder In- 
dustrie in mäßigem oder auch großem Maßstabe; aber der 
Betrieb ist vielfach etwas altertümlich, und in manchen 
Gegenden sehen die Vieh- oder Getreidehaciendas, Zucker- 
mühlen, Gerbereien und andere Unternehmungen noch kaum 
anders aus, als sie zur spanischen Kolonialzeit ausgesehen haben 
mögen. Daneben sieht man aber anderwärts, namentlich da, 
wo Fremde mit gutem Beispiel vorangegangen waren, ganz 
moderne Betriebe mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit eingerichtet, 
und es ist nicht zu verkennen, daß den Mexicanern weder Unter- 
nehmungslust noch Anpassungsfähigkeit abgeht. Deshalb macht 
auch die Modernisierung der in mexicanischen Händen befind- 
lichen industriellen Betriebe ziemlich rasche Fortschritte, so 
namentlich in den größeren, an den Hauptverkehrslinien lie- 
genden Städten. Wer nur diese kennt, bekommt daher leicht ein 
falsches Urteil über die Kulturhöhe des Landes: der in der spa- 
nischen Kolonialzeit so scharf ausgeprägte Gegensatz zwischen 
Stadt und Land hat sich eben noch immer nicht verwischt, und 
wie fast überall zeigt sich auch in Mexico ein größeres Festhalten 
am Althergebrachten auf dem Land als in der Stadt. 
Die mexicanische Wirtschaft der Gegenwart war zu P 0or- 
firios Zeit und ist noch jetzt außerordentlich ungleichmäßig, 
insofern sowohl indianisches Wirtschaftsleben noch in manchen 
Gegenden heimisch. ist, als auch die Wirtschaftsmethoden der 
spanischen Kolonialära noch fortdauern, während doch daneben 
auch durchaus moderne Betriebe bereits in großer Zahl im 
Lande blühen. Diese Ungleichheit der wirtschaftlichen Entwick- 
lung bildet aber gerade ein Anlockungsmittel für den Aus- 
länder, seine Tatkraft, seine Intelligenz, sein Kapital in diesem 
Lande arbeiten zu lassen, das noch weithin wirtschaftlich un- 
entwickelt oder wenig entwickelt ist und daher Gelegenheit zur 
Arbeit in Hülle und Fülle bietet. Dieser Lockung haben in der 
Ära Porfirio Diaz nach vorausgegangener reichlicher eng- 
lischer Kapitalinvestierung in ausgiebigstem Maße zunächst
	        
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