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konsequent zu dem Schluß, daß für Schumpeter in der Statik
die Existenz von Unternehmerpersönlichkeiten ausgeschlossen
st und ihr Auftreten infolgedessen anderweitig, jedenfalls nicht
mit der Annahme einer günstigen Konstellation der Daten der
Wirtschaft am Ende der Depressionsperiode erklärt werden kann.
Man müßte plausibel machen, daß am Ende jeder Depressions-
periode energische Subjekte, die während der ganzen Zeit der
Depression nicht existiert haben, plötzlich vorhanden sind und
durch die jeweiligen Daten in der Ausführung ihrer Pläne mehr
oder weniger gefördert werden. Es ist dann auch klar, daß diese
Erklärung nicht auf rein wirtschaftliche Faktoren zurückgehen
kann, da der Unternehmer einerseits in der statischen Wirtschaft
undenkbar ist, und andererseits die dynamische Wirtschaft,
die er erst verursachen soll, noch gar nicht vorliegt. Man kann
daher hier nicht von einer rein wirtschaftlichen Entwicklung
sprechen, wie Schumpeter das tut. Das Auftreten des Unter-
nehmers ist eine anorganische Erscheinung*), ein Vorgang, der
durch andere als ökonomische Momente ausgelöst wird.
Für Cassel liegen die Dinge anders. Seine Konjunktur-
theorie — wir denken hier an die von ihm vorgetragene Dis-
proportionalitätstheorie, neben der, wie wir oben erwähnten,
noch eine andere einhergeht?) — erklärt die Periodizität der
Wechsellagen befriedigender, eben weil Cassel den Unternehmer
aus der Statik nicht ausschließt. Für Cassel müssen die wech-
selnden Konjunkturen „als ein Ergebnis des Wechselspieles
der Unternehmertätigkeit und der großen, in der wirtschaft-
lichen Knappheit wurzelnden Regulatoren der Volkswirtschaft,
der Materialpreise, des Arbeitslohnes und des Zinsfußes be-
trachtet werden‘“3).
Wie aus Cassels sonstigen Ausführungen hervorgeht,
schiebt er aber vor allen Dingen den Zinsfuß in den Vorder-
grund“). Einen Gleichgewichtszustand, der von den Unter-
x
1 L. d .
ührung, MO TE Grundzüge der ökonomischen Theorie. Eine Ein-
aehmergewinn, Schna S. 167. Streller, Rudolf, Zur Lehre vom Unter-
1026, S. 8/9. . Jahrb., 50. Jahrg., 2. H,, München u. Leipzig
?) Siehe oben S. 40;
1) Cassel, Theorie, S. 568. *) ebda., S. 550ff., 565{f.