WANDERUNGSVERLÄÜF UND GETROFFENE MASSNÄHMEN. 179
anlagen und Geleisanschluß waren gute Vorbedingungen
gegeben. Das Reichsschatzministerium, das über dieses
Munitionsdepot zu verfügen hatte, und es bereits den ver
triebenen Elsaß-Lothringern zugesprochen hatte, überließ
in letzter Minute das Munitionsdepot dem Nobelkonzem,
der es zur Entladung von Munition und Zerlegung in ihre
wertvollen Urbestandteile angefordert hatte. Nach Ansicht
nicht allein der Vertriebenen, sondern auch der örtlichen
Behörden (Oberpräsident, Regierungspräsident, Oberbürger
meister von Münster) ist dieses Verhalten des Eeichsschatz-
ministeriums nicht zu erklären und nicht zu verantworten,
um so weniger, als die Vertriebenen in der Lage waren, für
den Nobelkonzern geeignete und ausreichende Äquivalende
in der Nähe nachzuweisen.
Besonders muß hervorgehoben werden, daß auch diei
Reichszentralstelle für die vertriebenen Elsaß-Lothringer,
in ihrer Eigenschaft als zentrale Eürsorgestelle für die
Elüchtlinge in Baden, die Ansiedlung der Vertriebenen als
einzig wirksames Mittel zur Bekämpfung der Wohnungs
not erkannte, und selbst bereits im Herbst 1919 den Ausbau
von Lazarettbaracken in Karlsruhe und von Proviant-
lagerbaracken in Ereiburg zu Kleinwohnungen für die
Flüchtlinge übernahm. Der Ausbau mußte nach kurzer
Zeit unterbrochen werden, da vom Reich keine Mittel ge
währt wurden! Die unteren staatlichen Behörden haben
also die Ansiedlung der Flüchtlinge auf eigene Faust in
Angriff genommen, so bitter nötig erschien sie ihnen,
die mit der Not der Flüchtlinge vertraut waren. Das
Reichsfinanzministerium kam erst im Sommer 1920 zu
dieser Einsicht.
Die doppelte und dreifache Summe muß heute ver
ausgabt werden, als vor einem Jahre nötig gewesen wäre.
Doch ist die Hoffnung berechtigt, daß nun endlich mit
der Ausführung der elsaß-lothringischen Siedelungsprojekte
begonnen werden kann.
Bei Beginn ihrer Tätigkeit hat die gemeinnützige Zen
tralsiedel ungsgesellschaft „Neue Heimat“ 30 Siedelungs-
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