Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Innern völlig umgebaut. Der Boden eines oberen 
Stockwerkes wurde fortgenommen und der erste Stock 
erhöht, so daß die Räume die doppelte Höhe erhielten. 
Nachdem so das Haus nach den Erfordernissen einer 
modernen Kunstgalerie umgebaut war, wurden hier 
alle möglichen Arten von schönen Kunstwerken zu- 
sammengetragen, kleine Miniaturen in edelstein- 
besetzten Rahmen, große Gemälde von alten Meistern, 
alte Kirchenornamente, Gobelins, Porzellane. Bücher 
und Manuskripte, 
Es erregte in Amerika oft Unwillen, daß Morgan 
einen so großen Teil seiner Kunstschätze in England 
beließ, Der frühere Schatzsekretär Leslie A, Shaw 
iragte ihn einmal rund heraus, warum er seine Ge- 
mälde und Miniaturen und anderen Kunstschätze 
nicht nach Amerika brächte und sie dort der Öffent- 
lichkeit zugänglich machte, 
Morgan antwortete: „Das kann ich mir nicht 
leisten.“ 
„Ich wußte wohl‘, sagte Shaw, „daß Sie ein armer 
Mann sind, aber ich ahnte wirklich nicht. daß Sie so 
arm sind.“ 
„Mr, Shaw”, antwortete Morgan, „was meinen Sie, 
wieviel der Einfuhrzoll auf meine Sammlungen be- 
tragen würde, wenn ich sie nach New York brächte,” 
„Nun, vielleicht 200 000 bis 300 000 Dollar.” 
„Mindestens 6 Millionen!” 
Agenten in Antwerpen, Wien, Paris, Brüssel, Rom, 
ja in fast jeder Stadt auf dem Kontinent hatten Auf- 
trag, für Morgan zu kaufen, was ihnen an Meister- 
stücken unter die Hände käme. Von Zeit zu Zeit er- 
hielten sie besondere dringende Anweisung, sich nach 
einem bestimmten Stück umzusehen, das zur Voll- 
ständigkeit irgendeiner Sammlung noch fehlte. Zu- 
weilen erhielt Morgan auch durch einen glücklichen 
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