und der Verkäufer schaute voll Staunen zu. Bragard
zeigte, daß er tatsächlich ein Künstler war, und zwar
mehr als ein gewöhnlicher Künstler, Schließlich gab
ihm der Verkäufer 5 Schilling und versprach ihm,
mit Sir William zu reden, ob dieser ihm vielleicht
einen Auftrag verschaffen könne,
Einige Tage später traf Junius S. Morgan, der ein
alter Kunde von Agnew & Co, war, mit Sir William
zusammen. Dieser überredete ihn, seinem armen
Landsmann für ein Porträt zu sitzen. Bragard sagte,
ein Porträt würde zehn Sitzungen erfordern. Noch
während seines Entstehens erregte es unter den Lon-
doner Kunstkennern Aufsehen, und bevor die zehn
Sitzungen beendet waren, hatte Bragard Aufträge für
Porträts von hervorragenden Londonern im Werte von
mindestens 10000 Pfund Sterling empfangen.
Als Junius Morgans Porträt beendet war, über-
reichte er dem Maler 500 Pfund Sterling und sagte:
„Ich nehme an, daß ich Ihnen nicht mehr sitzen
brauche.“
Bragard erwiderte, daß ihm die Hände noch nicht
recht gefielen, und er bat um noch eine Sitzung, um
sie nochmals bei Tageslicht zu überarbeiten,
Am nächsten Tag erschien Junius Morgan zur ge-
wohnten Stunde im Atelier, aber Bragard kam nicht.
Bis zum heutigen Tag ist nicht die geringste Spur des
Künstlers aufgefunden worden. Der Name Bragard
war vermutlich ein falscher Name, denn alle Be-
mühungen; herauszubekommen, wer er war oder woher
er gekommen war, erwiesen sich als nutzlos,
Es war bezeichnend für Junius Spencer Morgan,
daß er sich von einem Künstler malen ließ, der mehr
Talent als Ruhm besaß, und sein Sohn tat einmal etwas
ganz ähnliches, Seine Familie und seine New Yorker
Freunde hatten ihn schon lange gedrängt, er solle sich
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