Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

von einem berühmten Künstler malen lassen. Morgan 
beachtete aber diese Aufforderungen nicht weiter, und 
ließ sich nicht bestimmen, die für die Sitzungen not- 
wendige Zeit zu erübrigen. Einem Porträtisten ge- 
währte er eine einzige Sitzung von der Dauer einer 
Stunde, das war alles. Als er sich aber etwa 12 Jahre 
nach dem oben geschilderten Vorfall mit dem 
Maler Bragard in Paris aufhielt, suchte ihn ein Be- 
kannter auf und erzählte ihm, er habe in einem der 
Mansardenateliers im Quartier Latin ein Talent ent- 
deckt. 
„Nun, dann wollen wir einmal hingehen und seine 
Bilder ansehen‘, sagte Morgan, und die beiden ver- 
brachten den Vormittag mit der Betrachtung der 
Werke des Unbekannten. Sie gefielen Morgan der- 
maßen, daß er auf der Stelle den Künstler aufforderte, 
nach New York zu kommen, um ihn zu porträtieren. 
Der Maler folgte der Einladung im nächsten Winter 
und Morgan saß ihm, so oft und so lange es nötig war. 
Das Bild wurde dann in der Bibliothek aufgehängt. 
Bei einem anderen Besuch in Paris hörte Morgan 
von drei wunderbaren Gobelins, die bei einem be- 
kannten Antiquitätenhändler zum Verkauf standen. 
Sie stammten aus der Zeit Karls VII. und waren 
historische Dokumente von seltenem Wert, da sie mit 
zweifelloser Treue die Kostüme und Sitten jener Zeit 
darstellten. Morgan machte im Namen des New Yorker 
Metropolitan Museum ein Angebot, und ungefähr zur 
gleichen Zeit baten die Direktoren des Louvre um das 
Vorkaufsrecht. In den Zeitungen begann nun eine 
Agitation, aus vaterländischen Gründen die Ausfuhr 
der Gobelins aus Frankreich zu verhindern. Morgan 
ging darauf zu dem Antiquitätenhändler und sagte: 
„Wenn Frankreich die Gobelins nicht kauft, nehme 
ich sie.” 
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