Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

baren Bedingungen zu stellen. Denn es war ganz klar, 
daß jemand, der nichts einnimmt, auch nichts zahlen 
kann. 
Auch in der Frage der Sanktionen legte Morgan den 
Standpunkt der amerikanischen Bankiers fest, der 
sich radikal von dem der französischen und belgischen 
Regierung unterschied, Es war damals noch das Ruhr- 
gebiet besetzt, und Frankreich wollte dieses Pfand 
eben nur gegen die Annahme des Sachverständigen- 
Gutachtens durch Deutschland herausgeben. Es wollte 
sich aber auch das Recht vorbehalten, bei jeder Ver- 
fehlung Deutschlands gegen seine Zahlungsverpflich- 
tungen von neuem Sanktionen zu ergreifen, Von 
Belgien wurde es hierbei kräftig sekundiert, Die 
Amerikaner aber waren hiermit durchaus nicht ein- 
verstanden. Ihnen, den Finanzmännern und Wirt- 
schaftlern, war der Eingriff der Franzosen in den 
komplizierten Wirtschaftsorganismus des Ruhrgebiets, 
der die deutsche Inflation erst zu einer Katastrophe 
gemacht hatte, vollkommen unverständlich geblieben. 
Sie trieben Politik auf wirtschaftlicher und finanzieller 
Grundlage, während Frankreich beziehungsweise sein 
Exponent Poincare Prestigepolitik trieb, der sich die 
Wirtschaft anzupassen hatte. Etwaige neue Sank- 
tionen, meinten die amerikanischen Finanzleute, wür- 
den von neuen, ebenso katastrophalen Folgen be- 
gleitet sein. Während Morgan diese Gesiehtspunkte 
den amerikanischen Sachverständigen gegenüber nur 
andeuten brauchte und auch Poincare gegenüber 
von dem er empfangen wurde, sicher sich sehr zurück- 
haltend geäußert hatte, sprachen in einem späteren 
Stadium der Verhandlungen Finanzmänner, die der 
Morgangruppe angehörten, in aller Öffentlichkeit weit 
schärfere Worte, 
Der vierte wichtige Gesichtspunkt war der der 
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