Diese ganz großen Hintergründe der wirtschaftsdemokra-
tischen Bewegung muß man sich vor Augen halten, um
die Schwere des Problems und auch die Kraft des An-
grifis der Gegenseite zu ermessen.
Die nichtsozialistischen Politiker haben allen
Anlaß, hier mit den Wirtschaftlern zusammen
eine breite Abwehriront zu bilden,
Es ist eine Pflicht für beide Gruppen nicht nur gegenüber
der Wirtschaft selbst, nicht nur gegenüber der Idee der
bürgerlichen Staatspolitik sowie gegenüber dem Marxis-
Mus, sondern es ist auch ihre Pflicht gegenüber der ganzen
kulturellen Entwicklung Deutschlands. Die Wirtschafts-
demokratie ist eben nicht nur ein wirtschaftliches Pro-
blem, sondern sie ist auch ein kulturelles Problem.
Der besondere Charakter des russischen Volkes hat es
ermöglicht, daß das bolschewistische Wirtschaftsexperi-
ment bislang noch immer durchgeführt wird, obwohl die‘
russische Wirtschaft dadurch Erschütterungen erfuhr, die
kein anderes modernes Land so lange hätte ertragen
können. Man srricht trotz allem noch heute von einer
russischen „Wirtschaft“, aber man Spricht nicht mehr
von einer russischen „Kultur“. Die russische Kultur des
Zarenreiches ist tot, und der Mittelstand als der wichtigste
allgemeine Kulturträger ist verschwunden. Wenn in der
deutschen Wirtschaft die Wirtschaftsdemokratie verwirk-
licht wird, wenn die private Wirtschaft von dem gewerk-
schaftlichen oder staatlichen Kollektivismus abgelöst wird,
dann zerbrechen nicht nur die Voraussetzungen für einen
wirtschaftlichen Wiederaufbau, sondern
es werden auch die tiefsten Wurzeln der kul-
turellen Entwicklung herausgerissen.
Darum ist die grundsätzliche Ablehnung der wirtschafts-
demokratischen Tendenzen, wie sie in dem Vortrag von
Weber und überhaupt auf der ganzen Düsseldorfer
Industrietagung in Erscheinung trat, mehr als eine „akute
Sorge‘ der Industrie. Es ist eine Warnung und ein Weck-
ruf an alle, Die vorliegende Veröffentlichung der „Deut-
schen Bergwerks-Zeitung“ möge dazu beitragen, daß diese
Warnung in den Köpfen aller denkenden Menschen Wider-
hall findet und sie zu einem einmütigen Widerstand aufruft.