Object: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die liberale Schule 
Mit Baudrillart sind wir bereits weit in die Periode der 
dritten Republik hineingelangt. Bevor wir an die Schilderung 
der gegenwärtigen Lage herantreten, seien im Rahmen dieser 
historischen Skizze nur noch zwei Männer genannt, die vor 
nehmlich in den 80er und 90er Jahren des verflossenen Jahr 
hunderts auf der Vorderbühne der liberalen Schule kämpften 
und deren Lebenswerk heute abgeschlossen ist: Léon Say und 
Maurice Block. 
In den gesetzgebenden Versammlungen der dritten Republik 
finden wir in den 70er und 80er Jahren des XIX. Jahrhunderts 
mehrere der bekanntesten Vertreter der liberalen Schule der 
Nationalökonomie, so insbesondere L. Wolowski, Léonce de La- 
vergne, Batbie, Frédéric Passy usw. Unter ihnen ragte jedoch am 
meisten Léon Say hervor, welcher 1872—1882 siebenmal Finanz 
minister war. 
Léon Say (1826—1896) war der Sohn von Horace und Enkel 
von J. B. Say. Seine Verdienste um die klassische Lehre, welche 
er stets als ein Familienerbstück hochhielt, bestehen weniger 
in wissenschaftlichen Leistungen, als in propagandistischer 
und polemischer Tätigkeit und Verwertung der orthodoxen 
Grundsätze in seiner administrativen Praxis. Er verfügte über 
ein bedeutendes Rednertalent und verstand die Kunst, sein 
Lieblingsthema, Finanzfragen, lebendig, anschaulich, fesselnd 
und mit überraschender Klarheit darzustellen. Er hatte einen 
gewissen Mutterwitz, und zahlreiche humorvolle Aussprüche von 
ihm kursierten in den Pariser Salons. 
Sein wissenschaftliches Rüstzeug holte er sich hauptsächlich 
in den Werken seines Großvaters, sowie in denen der Physio- 
kraten Turgot, Quesnay und Dupont de Nemours, 
die er häufig zitiert. Daher kommt es, daß er im Gegen 
satz zu Bastiat nicht das praktische Dogma des Freihandels, 
sondern das „gouvernement selon la nature des choses“ zum 
Angelpunkt der Wirtschaftswissenschaft macht. Er huldigte 
ebenfalls der physiokratischen Anschauung, die orthodoxen 
Grundsätze brauchten nur mit genügender Klarheit dargestellt 
zu werden, damit sie von allen als unabweisbare Wahrheiten 
anerkannt würden. 
In dem äußeren Glanze, der mit den hohen Stellungen, 
die Léon Say bekleidete, verbunden war, sonnte sich auch die
	        
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