Bouteillenstein
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Braunkohle
Bouteillenstein, eine dunkelgrüne Abart des
Obsidian vom Härtegrade ^ 1 / 2 . —Zoll: S. Achat.
Bovril, ein mit Fleischmehl vermischtes Fleisch-
<extrakt.
Braga, das säuerlich schmeckende alkoholi
sche Nationalgetränk der Rumänen aus ge
gorener Hirse.
Brandol, Mittel gegen Brandwunden, aus Pi
krinsäure, Glyzerin und Brennesselabkochung.
Brandsalbe, Blei- oder Zinksalbe, ferner ein
Gemisch aus gleichen Teilen Leinöl und Kalk
wasser oder ein Gemisch aus 15 Teilen Blei
essig, 2 Eidottern und 120 Teilen Leinöl.
Brandts’ Schweizer Pillen enthalten nach An
gabe des Erfinders 1,5 g Extractum Selini, je
1 g Extr. Achilleae mosch., Aloes, Absinthii,
0,5 g Trifolii, Gentianae.
Branntwein (frz. Eau de vie, engl. Brandy)
nannte man ursprünglich die durch Destillation
von Wein erhaltene geistige Flüssigkeit (Kog
nak), während man heute hierunter alle alko
holreichen, aus vergorenen Maischen durch D e-
stillation gewonnenen Flüssigkeiten versteht.
Zu ihrer Herstellung können also entweder be
reits vergorene Flüssigkeiten (Wein, Bier) her
angezogen werden, aus welchen der Alkohol
abdestilliert wird, ferner zuckerhaltige Stoffe,
wie süße Früchte, Palmensaft, Melasse, welche
vor der Destillation einer Gärung unterworfen
Werden müssen, und schließlich stärkemehlhal
tige Substanzen, wie Getreide, Hülsenfrüchte,
Kartoffeln, Flechten usw. Die letzteren werden
zunächst zur Verkleisterung der Stärke ge
dämpft, darauf mit Grünmalz, oder in heißen
Gegenden besser durch Kochen mit verdünnten
Säuren verzuckert und schließlich mit Hefe ver
goren. Aus der vergorenen Flüssigkeit (Maische)
wird dann der Branntwein durch Destillation
mittels indirekten Wasserdampfes abgeschieden.
Pie vervollkommneten Apparate der Jetztzeit
gestatten, bereits durch einmalige Destillation
e inen hochgrädigen Branntwein von 90—93 0/0
gewinnen, während die völlige Reinigung in
besonderen Fabriken durch Rektifikation er
folgt. Der für technische Zwecke bestimmte B.
ls t unter Spiritus (s. d.) behandelt. Die Trink
branntweine unterscheidet man in der Regel
)n folgende, Gruppen: 1. Gewöhnliche Trink-
branntweine (Schnaps), die meist lediglich
auf kaltem Wege durch Mischung von Kartoffel-
s Phitus, Wasser und sog. Würze hergestellt wer
den und mindestens 25 Vol. 0/0 Alkohol und
höchstens 0,60/0 Fuselöl enthalten sollen; 2. Korn
branntwein (Nordhäuser, Münsterländen,
Breslauer, Steinhäger, Fruchtbrannt-
'vein. Westfälischer, Whisky, Korn,
b°ornkaat, Genever), die nach dem Brannt-
'veinsteuergesetze lediglich durch Destillation
v°n Getreide- (Roggen, Weizen, Plafer, Gerste)
“laische gewonnen sein dürfen und nach Han-
uelsgebrauch 30Vol. o/ 0 Alkohol enthalten müssen;
3- Bittere, aus Alkohol, Wasser, Auszügen bit
terer und aromatischer Pflanzenteile sowie auch
unter Zusatz aromatischer Destillate, ätheri-
Sc " er öle, natürlicher Essenzen und Zucker her-
gestellte B. mit mindestens 25 Vol.-°/o Alkohol;
4- Liköre; 5. Obstbranntweine; 6. Edel-
ranntweine (Arrak, Kognak, Rum). Die
r uppen 4—6 sind in besonderen Artikeln be-
Mercks Warenlexikon,
sprochen. Als Verfälschung der Branntweine
kommt vor allem Wasserzusatz, Verwendung
von vergälltem (denaturiertem) Spiritus und Zu
satz von sog. Branntweinschärfen in Frage.
Den ersteren erkennt man unmittelbar oder
nach der Destillation mit Hilfe des Alkoholo
meters, die letzteren meist nach dem Ein
dampfen an den; scharfen Geruch und Ge
schmack des Rückstandes. Besonders gefähr
lich ist der Zusatz des giftigen Holzgeistes
(s. d.) : — Steuer; S. Anhang über das „Ge
setz über das Branntweinmonopol“ vom 26. Juli
1918. — Der Kleinhandel mit Trinkbrannt
wein und der Ausschank von Spirituosen unter
liegt behördlicher Genehmigung.
Brauerpech zum Auspichen von Bierfässern
besteht gewöhnlich aus einer Mischung von
schwarzem Pech mit aromatischen Stoffen (Ben
zoe) oder von Harz mit Fett. Das B. darf keinen
unangenehmen Geschmack besitzen, was man
am besten dadurch ermittelt, daß man etwas B.
in Feinsprit löst, die Lösung in Wasser gießt
und dieses dann kostet.
Braunkohle (frz. Lignite, engl. Peat, Brown
coal), diejenige fossile Kohle, welche während
der Zeit der Braunkohlen-oder Tertiärformation
zur Ablagerung gelangte, ist hervorgegangen
aus Anhäufungen von mehr oder weniger ver
kohlten Pflanzenmassen, vorzugsweise aus Torf
und Sumpfvegetation. Sie tritt sowohl in Form
von Holz (Lignit), Blättern, Stengeln usw., an
welchen ihre Entstehung aus Pflanzenteilen
noch deutlich zu erkennen ist, als auch in amor
phen, erdigen, dichten, schieferigen und körnigen
Massen auf, welche alle Pflanzenstruktur ver
loren haben. Die lufttrockene B. besteht aus
65—77 0/0 Kohlenstoff, 4—6 0/0 Wasserstoff, 19
bis 29 0/0 Sauerstoff und o—2 °/o Stickstoff und
enthält außerdem noch Kalk, Tonerde, Kiesel
säure, welche bei dem Verbrennen als Asche
übrig bleiben. Das spez. Gew. beträgt 0,8—1,5.
Als bekanntere Sorten sind: Gemeine B.,
Schieferkohle, Papierkohle, Moorkohle,
Pechkohle, Alpenkohle und Glanzkohle
anzuführen. Die aus der Zersetzung der Koni
ferenhölzer hervorgegangene Braunkohle schließt
nicht selten fossiles Harz (Retinit, Pyropissit)
ein, welches in größerer Menge auftretend die
Kohle („Schweelkohle“) zur Darstellung von
Photogen, Solaröl, Paraffin, Karbolsäure ge
eignet macht. Andere Sorten, welche Schwefel
oder Eisenkies in größerer Menge enthalten,
werden zur Fabrikation von Schwefelsäure,
Eisenvitriol und Alaun verwendet, so ipn nord
westlichen Böhmen usw. Die erdige Kohle wird
entweder durch Anmengen mit Wasser durch
Handarbeit oder durch maschinelle Vorrichtun
gen zu Kohlenziegeln oder Braunkohlen
steinen geformt oder getrocknet, pulverisiert
und bei höherer Temperatur zu sog. Briketts
gepreßt (s. d.). Durch Vergasung der Braun
kohle, auch der erdigen Arten, ist es gelungen,
eine so hohe Temperatur zu erzeugen, daß man
damit Glas schmelzen und Tonwaren brennen
kann. — Die bituminösen Pechkohlen (Spiegel
kohlen) von Falkenau a. E., Neusattel in Böh
men, von Rötschach-Weitenstein in Steiermark
werden zur Gewinnung guten Leuchtgases be
nutzt. Auch als Düngemittel wird die Braun-