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Drittes Kapitel.
Ware von der Realisierung ihres Preises zeitlich getrennt wird.
Es genügt, die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die
ne Warenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu
Ihrer Produktion. Die Produktion verschiedener Waren ist an ver-
schiedene Jahreszeiten geknüpft. Die eine Ware wird auf ihrem
Marktplatz geboren, die andere muß zu entferntem Markt reisen.
Der eine Warenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten, bevor
der andere als Käufer. Bei steter Wiederkehr derselben Trans-
Aktionen [Geschäfte] unter denselben Personen regeln sich die Ver-
kaufsbedingungen der Waren nach ihren Produktionsbedingungen.
Anderseits wird die Benutzung gewisser Warenarten, zum Beispiel
“nes Hauses, für einen bestimmten Zeitraum verkauft. Erst nach
Ablauf des Termins hat der Käufer den Gebrauchswert der Ware
Wirklich erhalten. Er kauft sie daher, bevor er sie zahlt. Der eine
Warenbesitzer verkauft vorhandene Ware, der andere kauft als
bloßer Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künftigem
Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuldner. Da
die Metamorphose der Ware oder die Entwicklung ihrer Wertform
Slch hier verändert, erhält auch das Geld eine andere Funktion. Es
Wird Zahlungsmittel.®
Der Charakter von Gläubiger oder Schuldner entspringt hier aus
der einfachen Warenzirkulation. Ihre Formveränderung drückt dem
Verkäufer und Käufer diese neuen Stempel auf. Zunächst also
nd es ebenso verschwindende und wechselweise von denselben
Zirkulationsagenten gespielte Rollen wie die von Verkäufer und
Käufer, Jedoch sieht der Gegensatz jetzt von Haus aus minder ge-
mütlich aus und ist größerer Kristallisation fähig. Dieselben
Charaktere können aber auch von der Warenzirkulation unabhängig
Auftreten. Der Klassenkampf der antiken Welt zum Beispiel bewegt
Sch hauptsächlich in der Form eines Kampfes zwischen Gläubiger
Ad Schuldner und endet in Rom mit dem Untergang des plebejischen
Schuldners, der durch den Sklaven ersetzt wird. Im Mittelalter
‚det der Kampf mit dem Untergang des feudalen Schuldners, der
ine Politische Macht mit ihrer ökonomischen Basis einbüßt. Indes
Diegelt die Geldiorm — und das Verhältnis von Gläubiger und
a uldner besitzt die Form eines Geldverhältnisses — hier nur den
Sgensatz tiefer lLegender ökonomischer Lebensbedingungen wider.
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.., % Luther unterscheidet zwischen Geld als Kaufmittel und Zahlungs-
Nittel, »Machest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht, das ich hie
Spt bezalen und dort nicht kauffen kann.“ (Martin Luther: „An die
“Tarrherrn, wider den Wucher zu predigen. Wittenberg 1540.“) |
* Ueber die Schuldner- und Gläubigerverhältnisse unter den englischen
Handelsteuten Anfang des 18. Jahrhunderts: „Hier in England herrscht unter
den Kaufleuten ein Geist der Grausamkeit, wie er in keiner andern ‚Ge-
"llschaftsschicht und in keinem andern Lande der Welt zu finden ist.
(An Essay on Credit and ihe Bankrupt Act. London 1707“, p. 2.)