Full text: Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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Ständen sich meist in einer materiellen Lage befinden, welche 
dringend einer Verbesserung bedarf. Um eine solche zu ermöglichen, 
sind denn auch theils von den Interessenten selbst, theils von den 
Regierungen in Deutschland mehr oder weniger zweckmäßige Ein 
richtungen bereits in Angriff genommen oder in Vorschlag gebracht 
worden. Derartige Einrichtungen sind von hervorragenden und 
erfahrenen Männern in genügender Anzahl empfohlen worden, man 
hat dabei aber ausdrücklich hervorgehoben, daß von ihnen keine 
vollständige Heilung aller socialen Gebrechen, sondern erst nach sehr 
manmchfaltigen Umgestaltungen unseres Volkslebens eine allmähliche 
Besserung und die Herbeiführung erträglicher gesellschaftlicher Zu 
stände zu erwarten sei, denn keine menschliche Einrichtung könne 
goiiz fehlerfrei und vollkommen sein und sogleich zweckerfüllcnd 
functioniren. 
Bevor wir zu positiven Vorschlägen übergehen, sei uns noch 
eine Bemerkung gestattet, über das Programm einer neuen Par 
laments-Partei, die natürlich auch Stellung zur socialen Frage 
nehmen mußte. Interessant ist in dieser Beziehung Punkt 3 und 4 
ihres Programmes; ersterer sagt: „Wir streben die Förderung des 
Volkswohls auf Grund der bestehenden Gesellschaftsordnung an. 
Bei voller Wahrung der Gleichberechtigung, der Selbstthätigkeit und 
des freien Vereinswesens der arbeitenden Klassen treten wir für alle 
auf Hebung derselben zielenden Bestrebungen ein, bekämpfen aber 
der, Staatssocialismus, sowie die Bevormundung und Fesselung 
des Erwerbs- und Berkchrslebens gerichteten Maßregeln." Gegen 
diese Auslassung wäre wenig einzuwenden, wenn es lediglich auf 
den Wortlaut ankäme; die bestehende gesellschaftliche Ordnung zu 
erhalten, ist Jedermanns Bestreben, der es ehrlich mit seinem Vater- 
lande meint, allein die arbeitenden Klassen zum Vollgenusse dieser 
gesellschaftlichen Ordnung emporzuheben, ist noch lange nicht identisch 
mit dem Anfeinden dieser Ordnung. Die gesellschaftliche Ordnung 
hat sich im Laufe der Menschengcschichte vielfach geändert, wenn 
auch gewisse Grundsätze stabil geblieben sind, starr an jener als
	        
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