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diesem Problem beschäftigt hatte, zur technischen Aus
führung gebracht worden. Obwohl es bekannt war, dass
sich Wasserstoff und Stickstoff unter gewissen Bedin
gungen in sehr geringen Mengen miteinander vereinigen,
so hielt man die technische Darstellung des Ammoniaks
aus seinen Elementen bisher für undurchführbar, weil
die Trägheit des Stickstoffs bei niedrigen Temperaturen
und seine geringe Verwandtschaft zum Wasserstoff bei
hohen Temperaturen einen praktischen Erfolg auszu-
schliessen schienen. Haber gelang es jedoch, in Gegen
wart gewisser reaktionsbeschleunigender Metalle, wie
Osmium, Uran u. a., und unter Drucken von 150 bis
200 Atmosphären bei Temperaturen von 500—550° in
der Tat einen Umsatz von 9 Volumprozent des Stick
stoff-Wasserstoffgemisches zu erzielen. Stellt man einen
Kreislauf her, in welchem das Gasgemisch unter dem ge
nannten Druck an einer Stelle bei der Reaktionstempe
ratur der Einwirkung der Kontaktsubstanz und an einer
andern Stelle einer starken Temperaturniedrigung aus
gesetzt wird, so gelingt es, an dieser das gebildete
Ammoniak in flüssigem Zustande dauernd abzuzapfen.
Die Badische Anilin- und Sodafabrik ist bereits
mit dem Bau einer grossen Betriebsanlage beschäftigt,
und in der Tat scheint dieses Verfahren berufen zu sein,
die Stickstofffrage ihrer Lösung um einen bedeutenden
Schritt näher zu bringen. Es besitzt vor den vorher ge
nannten den Vorzug, dass es nicht an grosse elektrische
Energien gebunden ist, und dass die Bildung aus den
Elementen eine sehr einfache Reaktion ist. Allerdings
müssen diese in möglichster Reinheit zur Verfügung
stehen. Aber auch hierfür hat die Industrie schon vorge
sorgt. Es ist bereits der Tatsache gedacht worden, dass
Chlor, Wasserstoff und Sauerstoff in grossem Massstabe