Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Existenzbedingung der kapitalistischen Produktionsweise. Sie bildet 
eine verfügbare industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz so 
absolut gehört, als ob es sie auf seine eigenen Kosten großgezüchtet 
hätte. Sie schafilt für seine wechselnden Verwertungsbedürfnisse 
das stets bereite ausbeutbare Menschenmaterial, unabhängig von den 
Schranken der wirklichen Bevölkerungszunahme. 
Mit der Akkumulation und der sie begleitenden Entwicklung 
der Produktivkraft der Arbeit wächst die plötzliche Expansionskraft 
des Kapitals, nicht nur, weil die Elastizität des funktionierenden 
Kapitals wächst, und der absolute Reichtum, wovon das Kapital nur 
einen elastischen Teil bildet, nicht nur, weil der Kredit, unter jedem 
besonderen Reiz, im Umsehen ungewöhnlichen Teil dieses Reich- 
tums der Produktion als Zusatzkapital zur Verfügung stellt. Die 
technischen Bedingungen des Produktionsprozesses selbst, Maschi- 
nerie, Transportmittel usw., ermöglichen, auf größter Stufenleiter, 
die rascheste Verwandlung von Mehrprodukt in zuschüssige Produk- 
tionsmittel. Die mit dem Fortschritt der Akkumulation über 
schwellende und in Zusatzkapital verwandelbare Masse des gesell- 
schaftlichen Reichtums drängt sich mit Raserei in alte Produktions- 
zweige, deren Markt sich plötzlich erweitert, oder in neu eröffnete, 
wie Eisenbahnen usw., deren Bedürfnis aus der Entwicklung der 
alten entspringt. In allen solchen Fällen müssen große Menschen- 
massen plötzlich und ohne Abbruch der Produktionsleiter in ander? 
Sphären auf die entscheidenden Punkte wertbar sein. Die Ueber“ 
völkerung liefert sie. Der charakteristische Lebenslauf der moderne? 
Industrie, die Form eines durch kleinere Schwankungen unter- 
brochenen zehnjährigen Zyklus von Perioden mittlerer Lebendigkeiß 
Produktion unter Hochdruck, Krise und Stagnation, beruht auf der 
beständigen Bildung, größeren oder geringeren Aufsaugung und 
Wiederbildung der industriellen Reservearmee oder Uebervölkerung: 
Ihrerseits rekrutieren die Wechselfälle des industriellen Zyklus die 
Vebervölkerung und werden zu einer ihrer energischsten Reproduk- 
Honsursachen. 
Dieser eigentümliche Lebenslauf der modernen Industrie, de} 
uns in keinem früheren Zeitalter der Menschheit begegnet, war auch 
in der Kindheitsperiode der kapitalistischen Produktion unmöglich 
Langsam ging der Fortschritt der Technik vor sich, und noch lavg” 
samer verbreitete er sich. Die Zusammensetzung des Kapitals ver“ 
änderte sich nur sehr allmählich. Seiner Akkumulation entsprach als? 
im ganzen verhältnismäßiges Wachstum der Arbeitsnachfrage. Lang“ 
sam wie der Fortschritt seiner Akkumulation, verglichen mit der 
modernen Epoche, stieß er auf Naturschranken der ausbeutbare® 
Arbeiterbevölkerung, welche nur durch später zu erwähnende Gewalt 
mittel wegräumbar waren. Die plötzliche und ruckweise Ausdehnung 
der Produktionsleiter ist die Voraussetzung ihrer plötzlichen ZU 
sammenziehung; letztere ruft wieder die erstere hervor, aber die 
erstere ist unmöglich ohne bereitstehendes Menschenmaterial, obn® 
Siebter Abschnitt.
	        
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