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Siebter Abschnitt.
fertig. Meine Frau steht mit mir auf und geht mit mir fort. Ein
Mädchen, welches unser Haus entlang geht, weckt mich um 5*/, Uhr
morgens. Wir essen nichts, bevor wir zur Arbeit gehen. Das zwölf-
jährige Kind sorgt für die Kleineren des Tags über. Wir {früh-
stücken um 8 und gehen dazu nach Hause. Wir haben Tee einmal
die Woche; sonst haben wir einen Brei (stirabout), manchmal
von Hafermehl, manchmal von Maismehl, je nachdem wir fähig sind.
es zu beschaffen. Im Winter haben wir ein wenig Zucker und
Wasser zu unserm Maismehl. Im Sommer ernten wir einige Kar-
toffeln, womit wir selbst ein Bodenfetzehen bepflanzen, und wenn
sie zu Ende sind, kehren wir zum Brei zurück. So geht’s tagaus, tag-
ein, Sonntag und Werkeltag, das ganze Jahr durch. Ich bin stets sehr
müde des Abends nach vollbrachtem Tagewerk. Einen Bissen Fleisch
sehen wir ausnahmsweise, aber sehr selten. Drei unserer Kinder
besuchen die Schule, wofür wir 1 Penny pro Kopf wöchentlich zahlen.
Unsere Hausmiete ist 9 Pence die Woche, Torf und Feuerung kosten
mindestens 1 Shilling 6 Pence vierzehntägig.“1 Das sind irische
Löhne, das ist irisches Leben!
In der Tat, das Elend Irlands ist wieder Tagesthema in England.
Ende 1866 und Anfang 1867 machte sich in der „Times“ einer der
irischen Landmagnaten, Lord Dufferin, an die Lösung. „Wie mensch-
lich von solch großem Herrn!“
Aus Tabelle E sah man, daß, während 1864 von 4368 610 Pfd.
Sterl. Gesamtprofit 3 Plusmacher nur 262 610, dieselben 3 Virtuosen
der „Entsagung‘“ 1865 von 4 669979 Pfd. Sterl. Gesamtprofit dagegen
274 448 Pfd. Sterl. einsteckten, 1864 26 Plusmacher 646 377 Pfd. Sterl.,
1865 28 Plusmacher 7836 448 P{fd. Sterl., 1864 121 Plusmacher 1 066 912
Pfd. Sterl., 1865 186 Plusmacher 1 320 996 Pifd. Sterl., 1864 1131 Plus-
macher 2150818 Pfd. Sterl., beinahe die Hälfte des jährlichen Ge-
samtprofits, 1865 1194 Plusmacher 2418933 Pfd. Sterl., mehr als
die Hälfte des jährlichen Gesamtprofits. Der Löwenanteil aber.
welchen eine verschwindend kleine Anzahl Landmagnaten in Eng-
land, Schottland und Irland von der jährlichen Summe der Grund-
renten verschlingt, ist so ungeheuerlich, daß die englische Staats
weisheit es angemessen findet, für die Verteilung der Grundrente
nicht dasselbe statistische Material zu liefern wie für die Ver-
teilung des Profits. Lord Dufferin ist einer dieser Landmagnaten
Daß Pachtzinsen und Profite jemals „überzählig‘ sein können.
oder daß ihr Ueberfluß mit dem Ueberfluß des Volkselends
irgendwie zusammenhängt, ist natürlich eine ebenso „Uunan-
ständige“ als „ungesunde“ (unsound) Vorstellung. Er hält sich
an Tatsachen. Die Tatsache ist, daß, wie die irische Volkszahl
abnimmt, die irischen Pachtzinsen schwellen, daß die Entvölke-
rung dem Grundeigentümer „wohltut“, also auch dem Grund und
Boden, also auch dem Volk, das nur Zubehör des Bodens. Er erklärl!
also, Irland sei immer noch übervölkert und der Strom der Aus
188 „Reports of Insp, of Fact. for 31st October 1866“, p. 96.