Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
wendung von Musik, einführte. Unter den späteren Märchen— 
dramen aber wären vor allem wohl Sudermanns „Drei Reiher—⸗ 
federn“ zu erwähnen, eine in hurtigen Versen dramatisierte, 
im Grunde aber epische Geschichte von einem Prinzen, der 
vergebens nach einem Ideale sucht, dessen Besitz ihm schon in 
seinem Weibe geschenkt ist, und darüber dies Ideal verliert. 
4. Aber auch mit dem Märchen- und Traumdrama waren die 
Versuche, auf mittelbarem Wege gleichsam zum psychologischen 
Drama zu gelangen, noch keineswegs abgeschlossen. Worin die 
eigentliche Schwierigkeit lag, direkt vorwärts zu dringen, in— 
wiefern namentlich die Konkurrenz von hochstehender Psychologie 
und klarer, auf sicherer Weltanschauung begründeter Schicksals— 
idee erst ein wirklich einheitliches Drama der Gegenwart erzeugen 
kann, und inwieweit bei diesem notwendigen Zusammenwirken 
der Faktor der Schicksalsidee bisher noch versagte, davon wird 
erst später eingehend die Rede sein können. 
Sicher ist, daß man sich um die Mitte der neunziger 
Jahre in Deutschland einstweilen mit einem schwachen Ersatz⸗ 
mittel der Weltanschauung behalf, der Stimmung — jener 
persönlichen Stimmung des Dichters, die wir, wie bereits 
öfter betont, schon in der Lyrik und in der Kunsterzählung 
wie nicht minder auf dem Gebiete der bildenden Künste als 
erstes Ubergangsmoment zu idealisierender Kunstübung kennen 
gelernt haben. Es trat also ein, was man wohl die lyrische 
Erweichung des Dramas genannt hat: eine schon vertiefte 
Psychologie zunächst des eigenen Ichs führte zur Verknüpfung 
der objektiven psychologischen Erfahrungen mit subiektiven 
Momenten der Stimmung. 
Erste Spuren dieser Entwicklung lassen sich nun bereits 
früh wahrnehmen; entsprechend dem stärkeren psychologischen 
Gehalt des Dramas schon in den Formen des physiologischen 
Impressionismus wurden sie bereits bei dessen fortgeschrittensten 
Vertretern bemerkbar. So hat Hirschfeld bereits seit mindestens 
Mitte der neunziger Jahre elegische Momente und Charaktere.
	        
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