besonders der Verlust .des gewaltig großen und ungeheuer reichen Hinterlandes einträte,
auf dem Argentiniens Schicksal als Weltmacht, die unbegrenzten Möglichkeiten
seiner Zukunft, die Quellen eines unbegrenzten Kredits etc, beruhen, Ein Blick auf
die Karte genügt, um diese Möglichkeiten voraussehen zu können,
In der Tat, selbst wenn bei den vorteilhaften Flußverbindungen der argentinische
Einfluß auf Paraguay, Bolivien und Mattogrosso dennoch ungeschmälert bliebe, müßte
die Verlegung der Welthandelsplätze als Endpunkte der Eisenbahnlinien näher an
Europa und Nordamerika ein ungeheurer Verlust von unberechenbarer Tragweite
für die wirtschaftliche und politische Entwicklung Argentiniens sein. Es ist auch nicht
ausgeschlossen, daß, wie in Brasilien, auch in Argentinien im Hinblick auf den großen
Unternehmungsgeist und die imperialistischen Tendenzen, die Amerika in letzter Zeit
deutlich bewiesen hat, eine Yankeefurcht platzgegriffen hat. Es ist vielleicht bedauerlich,
daß Argentinien diese gewaltige und wertvolle Initiative des amerikanischen Unternehmungs-
geistes nicht für sich allein zu verwenden imstande zu sein glaubt und wohl nicht
unberechtigter Weise hinter amerikanischen Kapitalien und wirtschaftlicher Besitznahme
auch eine spätere unangenehme politische Beeinflussung wittert. Da Brasilien seines
Kaffee-Absatzes wegen den Vereinigten Staaten gegenüber Vorzugszölle unter anderem
auch auf amerikanisches Mehl und neuerdings sogar auf amerikanischen Weizen ein-
räumen zu müssen glaubt, so bilden allein schon Zollkriege mit den Vereinigten
Staaten für Argentinien eine ständige Gefahr,
Der frühere argentinische Minister und gegenwärtige Syndikus des Farquhar’schen
Syndikats, sowie der gegenwärtige Finanzminister, welcher der Abstoßung der nördlichen
Staatsbahn eine jährliche Ersparnis von 3000 000 $ für den Staatsschatz herausrechnet
haben sich jedenfalls den ungeheuren Einfluß vergegenwärtigt, den einerseits die
Hergabe des Kaufpreises, der für andere wichtige Zwecke des Argentinischen Staats-
lebens Verwendung finden könnte, und andererseits die großen Summen, die zum Um-
und Ausbau der Bahnen und zu geplanten großen Betrieben der Viehzucht und
Kolonisation benötigt werden, auf das argentinische Wirtschaftsleben selbst ausüben
müßten. In der Tat müßte ein solcher von außerordentlichem Segen für das Land
werden, da ein solch großes organisches Gefüge mit einem Eisenbahnnetz in 5 großen
Ländern zu seinem Fortbestehen andauernd große Mittel und Schätze aus dem ge-
samten Weltverkehr ziehen und herbeischaffen müßte. Die Zusammensetzung des
Syndikats, das europäisches und amerikanisches Kapital vereint, bietet wohl die Gewähr,
daß Farquhars geniale Ideen auch zur Ausführung und entsprechenden Fortentwicklung
und dadurch zur Schaffung ganz ungeheurer Werte gelangen müssen. Die Fusion der
großen Bahnen, wie der Süd- und Westbahn, der Central Cordoba-, Cordoba-Rosario-
und Buenos Aires-Extension-Bahn, unter der Leitung der Argentine Railway Company,
sowie diese Fusion für sich, mit argentinischen und Paraguay-Bahnen, dazu die Brazil
Railway Company mit ihren Verzweigungen und neuerdings die Uruguay Railway
Company haben eine neue Aera von großzügiger Natur für die Zukunit der wirt-
schaftlichen Erschließung Argentiniens und Südamerikas geschaffen, ganz abgesehen
von der großen pan-amerikanischen Bahn von New York bis Buenos Aires, die auch
allmählich ihrer Vollendung entgegengeht. Diese großzügigen Tendenzen liegen, wie wir
schon in unserer letzten Nummer in unserem Artikel über die deutsch-argentinische
Siedlungsbank als Gegengewicht zur wirtschaftlichen Invasion der Yankees in Süd-
amerika betonten, in der Luft, als logische Folge der fast allgemeinen Hochkonjunktur
im Weltbetriebe, die notwendigerweise nach neuen Wirkungskreisen und neuen Schätzen
sucht, und infolge der einzigartigen Welthandelslage und des unübertroffenen Natur-
reichtums auf Südamerika und hier wiederum ganz besonders auf das reichgesegnete
und unendlich weit ausgedehnte La Plata-Stromgebiet verfällt, mit seinen großen.
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