Full text: Gesellschaftslehre

Die Nachahmung. 
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gewissermaßen bekundenden Widerstand erregt wird!). Auch bei der 
Entwicklung des kindlichen Sprechens sind alle diese Antriebe wirksam. 
Die neuen Laute, die aus dem Munde der Umgebung vernommen wer- 
den, erscheinen als eine Aufgabe, ihre Bewältigung als ein Kampf und 
ihre Lösung als eine Befriedigung des Selbstgefühls. 
4. Viertens werden besonders eindrucksvolle Vorlagen 
von der Nachahmung vor andern Reizen bevorzugt. Solche segßen sich 
eben wegen ihrer starken Eindruckskraft im Bewußtsein fest und drän- 
gen so zu ihrer Realisierung. Einen Typus dieser Art haben wir bereits 
früher in einem andern Zusammenhange ($ 5,3) näher kennen gelernt: 
die Nachahmung verehrter Personen. Sie ergab sich aus dem 
Verlangen, die verehrte Person sich ganz zu eigen zu machen und die 
eigene Persönlichkeit in den Grenzen der Möglichkeit gleichsam mit ihr 
zu durchtränken. Dabei eignet man sich dann auch ihre Verhaltungs- 
weise nach Möglichkeit an. Diese Nachahmung von innen heraus ist 
wohl zu unterscheiden von der rein äußerlichen Nach- 
ahmung, die denselben Vorbildern gelten kann. Die legtere hat zum 
Ziel nicht die ganze Persönlichkeit, sondern nur eine einzelne direkt mit 
der Wahrnehmung erfaßbare äußere Verhaltungsweise, und ihr Motiv 
ist nicht die Verehrung, sondern ein äußeres Interesse, etwa der 
Wunsch, von dem gesellschaftlichen Ansehen des Nachgeahmten einen 
Abglanz für sich zu erhaschen. In diesem Falle braucht der Nach- 
geahmte durchaus nicht verehrt zu sein; es genügt vielmehr schon das 
bloße Wissen um seine angesehene Stellung. Wenn z. B. der Sonntags- 
jäger die Jägersprache und das Jägerkostüm möglichst getreu nachahmt, 
so wird es sich in der Regel um den legteren Typus handeln, um ein mehr 
oder weniger klares Bestreben, seiner Umgebung durch die neue Art zu 
imponieren. Wenn aber der angehende Offizier oder Jurist die spezi- 
fischen äußeren Formen seines Kreises getreu wiedergibt, so wird dabei 
in der Regel mehr der erste als der zweite Fall vorliegen: das Bild der 
neuen Lebensführung hat sich im Bewußtsein so festgeseßt und wird als 
so wichtig empfunden, daß es das ganze äußere Verhalten gleichsam zwin- 
gend determiniert und in seinen Bann zieht; die Treue der Nachbildung 
und ihr Gelingen in allen Einzelheiten erklärt sich viel besser durch die- 
sen Mechanismus als durch das bewußte Streben gewisse Einzelheiten 
nachzuahmen. Auch bei der Nachbildung der Schrift wird man in erster 
Linie nicht an eine Nachahmung der Schreibbewegungen oder gar eine 
1) Für die Beispiele vgl. Karl Groos, Spiele der Tiere 1. Aufl., S. 179. — 
Derselbe, Spiele der Menschen 1. Aufl., S. 374. — Darwin, Reise um die 
Erde, überseöt, Hendelsche Ausgabe S. 215. — Spencer. Soziologie. übersegt, I, 
S 105.
	        
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