298
stimmung vorliegt, dürfte gerade ein Fingerzeig dafür sein, daß es
möglich ist, kräftig wirkende Ursachen zu finden.
Aufgabe 62. Finde den Korrelationskoeffizienten für die bei den 9 Paaren
von Totgeburtenprozenten der Tabelle 37 gegebene Korrelation.
199. Von erheblich größerem praktischen Interesse ist es, die
Sterblichkeitsstatistik bearbeiten zu können, sodaß zuletzt
das Exponentialgesetz hervortritt; und kein Gebiet der Bevölkerungs-
statistik ist wie dieser Zweig Gegenstand derartiger Untersuchungen
gewesen. Im $ 74 wurde bereits erwähnt, daß die jährliche Anzahl
von Todesfällen eine sehr variierende Größe ist; so sind denn auch
die Sterblichkeitsquotienten oft Schwingungen ausgesetzt, welche
die bei den Glückspielen festgestellten Grenzen weit überschreiten.
Die Ursachen hierzu sind teils in sozialen (hygienischen und öko-
nomischen), teils in meteorologischen Verhältnissen zu suchen. Als
gemeinsamer Zug kann für die meisten modernen Kulturstaaten auch
der allgemeine Niedergang hervorgehoben werden, dem die Sterblich-
keit im letzten Halbjahrhundert unterworfen gewesen ist.
Im $ 74 wurde die Berliner Statistik mit Hinblick auf die Ver-
teilung der Sterbefälle nach Geschlecht behandelt. Betrachtet man
hier die Abweichung von einem Jahr zum andern, so wird man
finden, daß die Differenzen im Vergleich mit dem mittleren Fehler
ziemlich groß sind. Hier darf jedoch nicht übersehen werden, daß
sich die Geschlechtsgliederung im Laufe der Zeit ein ganz Teil ver-
schoben hat. Der jetzige Frauenüberschuß ist, was Berlin anbetrifft,
ein modernes Phänomen. Der Wendepunkt tritt erst in den
70er Jahren ein. Es ist daher kein Wunder, daß die Frauen mit
wachsender Überzahl stets größeren Anteil an den Sterbefällen haben.
Wenn man jedoch eine einzelne zehnjährige Periode wählt, ist eine
größere Stabilität zu erwarten. Für die ‚Jahre 1900—09 ergibt sich
z. B., wenn von den Totgeburten abgesehen wird, folgende in der
Tabelle 38 angeführte Anzahl von Sterbefällen (siehe S. 299).
Der mittlere Fehler der jährlichen Verhältniszahlen wird um
0,003 liegen, und man wird daher im großen und ganzen die Über-
einstimmung mit dem Exponentialgesetz befriedigend finden. Jedoch
muß man unweigerlich bemerken, daß die drei letzten Jahre z. B.
eine verhältnismäßig geringere Anzahl Sterbefälle aufweisen als die
drei ersten, und die Frage meldet sich, wie diese Verschiebung ent-
standen ist.
Wie oben bemerkt, kann sich die Gliederung der Bevölkerung
nach Geschlecht bereits im Laufe eines Jahrzehnts soviel ändern, daß