Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

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wartschaften“ (1785—1786) eine verdienstvolle Arbeit ist; er ging 
aber bei der Wahl der Sterbetafeln nicht gerade kritisch vor. 
32. Wer sich einen Überblick über den Stand der Statistik um 
die Mitte des 18. Jahrhunderts verschaffen will, mag das von J. P. 
Süßmilch (1707—1767, gestorben als Pastor in Berlin) veröffent- 
lichte berühmte Werk „Die göttliche Ordnung in den Veränderungen 
des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der 
Fortpflanzung desselben erwiesen“ zur Hand nehmen. Dies Werk er- 
schien zum erstenmal im Jahre 1741, die zweite, stark erweiterte 
Auflage 1761. Das Buch kann als ein Hauptwerk der statistischen 
Literatur des 18. Jahrhunderts betrachtet werden und ist eine reiche 
Quelle für alle, die sich mit der Entwicklungsgeschichte der Statistik 
befassen. Süßmilch sammelte sein Material mit großem Eifer, davon 
zeugt unter anderem sein Briefwechsel mit Wargentin. Nach Süß- 
milchs Tode besorgte sein Schwiegersohn Baumann eine Neu- 
ausgabe; er fügte einen dritten Teil (1775—76) hinzu. 
Süßmilchs Theorie offenbart sich bereits im Titel des Werkes. 
Auf allen Gebieten erkennt er eine göttliche Ordnung. Die vielen 
Arten von Krankheiten: Pocken, Masern usw., „alle diese Feinde 
les menschlichen Lebens haben ihre abgesteckte Gränzen, und stehen 
ınter der Lenkung der unsichtbaren Hand des Unendlichen, vermöge 
welcher sie ihre gesetzte Anzahl zu dem in jeden Alter geordneten 
Maass des Todes abliefern müssen“ !). Diese göttliche Ordnung sei 
veständig und allgemein. „So war die Dauer des Lebens schon vor 
3000 Jahren, und zwar im Orient, eben so, wie sie noch jetzt ist. 
So wie die Menschen in Deutschland geboren werden, leben und 
sterben: eben so geschiehts in Finnland, Schweden, Engelland, Hol- 
land und Frankreich“ ?), „So gar die Kinder, so todt zur Welt kommen, 
die Zwillingsgeburten und die sogenannten Unglücksfälle, haben ihre 
gewisse Zahlen und Verhältnisse zum Ganzen“ %. Er gibt allerdings 
zu, daß Abweichungen von diesen feststehenden Zahlen, z. B. in Seuchen- 
jahren, vorkommen; sie vermögen aber jedenfalls nicht den Haupt- 
eindruck der Regelmäßigkeit zu stören. Daher schreibt er denn auch 
bezüglich der auf verschiedenen Erfahrungen fußenden Sterblichkeit: 
„Nimmer war ich mir dergleichen Harmonie zwischen den Closter- 
ljeuten in Paris und unsern brandenburgischen Bauern vermuthen. 
') Göttliche Ordnung, 4. Ausgabe, 2. Teil, S. 288, Berlin 1775. 
?) ebenda, 1. Teil, S. 51. 
3) ebenda, 1. Teil, S. 51.
	        
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