Object: Der Weg der Reparation

SIEBZEHNTES KAPITEL 
RAPALLOVERTRAG UND REPARATION 
Bei den Besprechungen in Cannes Anfang Januar 1922 hatte 
der Oberste Rat der Alliierten auf den Vorschlag Englands be- 
schlossen, eine internationale Konferenz nach Genua einzuberufen. 
Sie sollte eine umfassende Aussprache über wirtschaftliche und 
finanzielle Fragen bringen, Alle europäischen Staaten, auch 
Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und Rußland, wurden 
eingeladen, damit endlich einmal ein wesentlicher Schritt auf dem 
Wege zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Mittel- und Osteuropas 
getan werden konnte, Auf Betreiben der französischen Regierung 
wurde die Besprechung des Reparationsproblems offiziell von dem 
Programm der Konferenz ausgeschlossen. Poincar€ machte dies zur 
Bedingung der französischen Teilnahme. Er ließ in einer Note vom 
15, Februar die vielfachen Bedenken der französischen Regierung 
in bezug auf die Tagesordnung der Konferenz niederlegen und er- 
langte von Lloyd George bei einer Zusammenkunft in Boulogne 
das Versprechen, daß in Genua Beschlüsse über Reparation nicht 
gefaßt werden dürften. Jedermann war sich darüber klar, daß es 
zwecklos sei, über die Wirtschaftslage Europas zu sprechen, wenn 
man nicht ihren Zusammenhang mit der Reparation und den 
internationalen Schulden berührte, Immerhin nahm Lloyd George 
die Bedingung Poincares an, wohl weil er hoffte, daß die Macht 
der wirtschaftlichen Notwendigkeiten stärker sein werde als 
politische Engherzigkeit, und daß der ungezwungene Verkehr der 
alliierten und deutschen Regierungsvertreter im Verlaufe der 
1938
	        
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