Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

über. die nationalwirtschaftlichen Grundlagen hinaus sich 
auf das Riesengebiet der internationalen Wirtschaft und 
insbesondere der neuen wirtschaftlichen Denkformen in der 
Welt erstreckte, waren die Ausführungen von Herrn 
Dr. Weber zwar auf unsere besonderen nationalen Ver- 
2ältnisse abgestellt, aber sie berührten ein Problem, dessen 
3Zedeutung weit über die rein wirtschaftliche Entwicklung 
ıinausgreift, Dies gilt, obwohl sich das Thema sehr be- 
scheiden und prägnant auf die beiden Worte „Unter- 
nehmertum undKapitalismus“ beschränkte, Beide 
Begriffe, sowohl Unternehmertum wie Kapitalismus, sind 
an sich Begriffe, die aus der wirtschaftlichen Entwicklung 
herausgewachsen sind. Und trotzdem liegt ihnen ein Sinn 
and und eine Bedeutung zugrunde, die sich keineswegs auf 
dem wirtschaftlichen Gebiete erschöpit. Man hätte das 
Thema auch mit dem einen Worte 
„Wirtschaitsdemokratie‘““ 
bezeichnen können, und dieses Wort läßt sehr viel deut- 
licher erkennen, wie stark allgemeine politische Gedanken- 
kreise und Ideologien mit hineinspielen. 
Die Deutsche Bergwerks-Zeitung, die an- 
äßlich der Tagung ‚des Reichsverbandes der Deutschen 
Industrie und anläßlich des Referates von Herrn Dr. Weber 
das‘ Problem der Wirtschaftsdemokratie zum Gegenstand 
einer Sondernummer gemacht hat, hat dieaußerordent- 
liche Reichweite des Problems klar erkannt. 
Sin großer Teil der Aufsätze erstreckt ‚sich, schon bei der 
Themaformulierung, auf die Gebiete der reinen Politik oder 
der Philosophie oder der Ethik. Das Problem der Wirt 
schaftsdemokratie gehört eben zu jenen Fragen, die über 
'hren ursprünglichen, z. B. wirtschaftlichen Oder politischen 
Ausgangspunkt hinaus die tiefsten Wurzeln des ganzen 
staatlichen Seins berühren und deren Lösung die politische, 
wirtschaftliche und kulturelle Gesamtentwicklung auf lange 
Epochen hinaus beeinflussen kann. Der Adam Smithsche 
‘ndividualismus, vor ihm auch schon der Merkantilismus 
und die Lehre der Physiokraten, weiter die Idee des Deut- 
schen Zollvereins oder. auch der Marxismus — dessen Erbe 
sozusagen die Wirtschaftsdemokratie antritt — sind be- 
leutende historische Beispiele dafür, wie eine geistige 
Strömung :an sich wirfschaftlichen Ursprungs auf die Ge- 
Schichte eines ganzen Volkes oder auch vieler Völker 
zurückwirkt. Würden die wirtschaftsdemokratischen Ten- 
denzen, wie sie von ihren, bezeichnenderweise rein politisch 
singestellten Vätern und Anhängern verfochten werden. in 
die Wirklichkeit umgesetzt, 
dann würde die ganze soziologische Struktur 
Deutschlands eine revolutionäre Umwandlung 
erfahren, 
die nicht mit Unrecht mit dem Umwälzungen auf Grund der 
iranzösischen Revolution von 1789 verglichen werden 
könnte, Allerdings besteht ein grundlegender Unterschied
	        
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