ist nun aber der erwähnte Mißstand plötzlich aufs stärkste
in die Frscheinung getreten Je mehr die Steuern, an-
wachsen, um so schärfer gestaltet sich der Kampf um ihre
Verteilung, und nun ergibt Sich, daß die werteschaffenden
Stände — kurz als die Wirtschaft bezeichnet — in-
folge ihrer zahlenmäßig unzureichenden parlamentarischen
Vertretung bei dem Steuerstreit dauernd ins Hintertreffen
reraten. Es verschlägt dabei nichts, daß selbstverständlich
letzten Endes alle Bevölkerungskreise gleichmäßig unter
den Schwierigkeiten, von denen die Wirtschaft zunehmend
mehr betroffen wird, leiden. Immer wieder zeigt es sich,
daß die Vertreter der großen Bevölkerungsmassen doch in
erster Linie den augenblicklichen Vorteil der
Arbeitnehmer, Konsumenten oder wie man jene Kreise, die
sich in einem wirtschaftlichen Gegensatz zum Unternehmer-
tume zu befinden glauben, sonst nennen will, erstreben.
Mit der anderswo bloß latenten Gefahr, die stets darin
liegt, daß die Steuern von den Vertretern solcher Bevölke-
rungsschichten, denen die Bezahlung nicht unmittelbar ob-
liegt, beschlossen werden, ist es jetzt in Deutschland
außerordentlich ernst geworden.
Steuergesetze, deren Handhabung der Wirtschaft
großenteils entzogen sind, werden immer geeignet Sein,
besitzieindlichen Bestrebungen als Wailfe zu dienen,
ınd dies ist natürlich auch in anderen Ländern der Fall.
Diese Waffe ist aber dort nicht allzu gefährlich, da ‚eben
die natürlichen Umstände dafür Sorgen, daß eine Ueber-
spannung der Steuern nicht eintreten kann. Anders
aber in Deutschland. Der auf der Wirtschaft
agernde Steuerdruck ist bei uns SO groß, daß schon eine
zeringfügige Vermehrung der Abgabenlast die Vernich-
tung ganzer Betriebsgruppen herbeiführen kann.
Fin Beispiel dafür, welche Bedeutung die Steuern im
heutigen Deutschland für labile Unternehmungen zu ge-
winnen vermögen, bietet augenblicklich — wie bekannt —
namentlich die Landwirtschaft. Der Staat ist in der
Lage, vermittels der Besteuerung geradezu über Tod und
Leben der -Privatwirtschaft zu entscheiden, und hier
erscheinen die großen Möglichkeiten für den
Sozialismus.
Der Sozialismus sieht die Privatwirtschaft unter allen
Umständen nur als einen vorübergehenden Zustand an.
Wer dies feststellt, befindet sich in keinem Gegensatz zu
der stets offen ausgesprochenen sozialistischen Lehre. Im
Gegenteil bezeichnen wirkliche Sozialisten stets die An-
nahme, ‚es könne irgendein endgültiger Ausgleich
zwischen Privatwirtschaft und kollektivistischer Staats-
wirtschaft gefunden werden, als einen Bestandteil der
unberechtigten bürgerlichen Ideologie,
Diese Tatsache hat man sich vor Augen zu halten, um zu
arkennen, in welcher Richtung sich das Recht ‚der
Massen, über die Steuerleistungen der produzierenden
Minderheiten nach freiem Gutdünken zu befinden, aus-
wirken muß.
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