gerade in der Erhaltung der kapitalistischen OrdnungsS-
prinzipien die Grundlage nützlicher sozialer Arbeit
zu sehen ist. Die typisch kapitalistischen, tragenden
Elemente unserer Wirtschaftsordnung — Privateigen-
tum, Unternehmerinitiative, Erwerbsstre-
ben, Konkurrenz, Preisbildungsprozeß —
werden in ihrer Bedeutung verkannt. In die Lücke, die so
beim Betrachten des Wirtschaftsprozesses entsteht, tritt
die Ueberschätzung der Organisation, der
Schablone, des Planmäßigen. Und diese Ueber-
Schätzung wird nicht dadurch richtig, daß sie begreif-
lich erscheint ‘von seiten der Arbeitnehmer, die,
eingespannt in ‚den unentrinnbaren Mechanismus des
ainzelwirtschaiftlichen Produktionsprozesses, zu einer
Ueberschätzung des Planmäßig-Organisatorisch-Zentra-
listischen gedrängt werden, ’auch dort, wo es sich nicht
um technische Elemente der Betriebsorganisation, sondern
um Fragen der Wirtschaftsführung handelt.
Es erübrigt sich, auf die einzelnen praktischen Forde-
rungen des wirtschaftsdemokratischen Programms der
ireien Gewerkschaften einzugehen. Denn neu ist nicht die
Registrierung dieser zumeist wohlbekannten Richtlinien
Sozialer Arbeit, sondern der Sinn des Gedankens, unter
dem man sie zu einem einheitlichen Arbeitsprogramm
zusammenzufassen sucht. Wesentlich ist, daß die seltsame
kapitalistisch-sozialistische Zwiespältigkeit der
wirtschaftsdemokratischen Idee
notwendig zu einer völlig anderen Begrenzung der ein-
zeinen Forderungen kommen muß, als die Sozialpolitik,
die in ihnen nur Maßnahmen zur Vermeidung allzu starker
sozialer Spannungen innerhalb der gegebenen Wirtschafts-
ordnung sah, ja, daß sogar eine gewisse Grenzenlosigkeit,
das prinzipielle Bestreben, wenn irgend möglich, die kapi-
talistischen Schranken zu durchbrechen, als Wesen der
heuen Wwirtschaftsdemokratischen Sinngebung gelten darf.
Speziell wirtschaftsdemokratischen Charakter trugen
nur jene Programmpunkte, die der unmittelbaren
Mitwirkung der Arbeitnehmer an der Wirt-
schaftsführung — vorerst in Öffentlichen Körper-
schaften, monopolistischen Unternehmungen. Selbstverwal-
tungskörpern — gewidmet sind. Aber auch Sie bleiben
Forderungen olmme irgendeinen konkreten Hinweis auf die
Möglichkeiten einer praktischen Durchführbarkeit, ganz
wie beim Problem ‘der Gesamtwirtschaftsführung. Klar
tritt auch hier die Verkennung der Funktion des kapita-
listischen Unternehmers hervor. Man nennt die Stellung
des Unternehmers autokratisch, seine Produktions-
leitung anarchisch, man will durch immer stärkere
Finengung der Drivatwirtschaftlichen Verfügungsmacht
über die Produktionsmittel die Despotie des Unternehmers
und seiner Agenten zerbrechen und den kostspieligen
Luxus der kapitalistischen Wirtschaft durch eine Bedarfs-
deckungswirtschaft ersetzen. In Wirklichkeit liegen die
Dinge aber doch so, daß nach dem Zusammenschluß der
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