Somit ist nicht zu bezweifeln, daß die Wirtschaftsdemo-
kratie im sozialistischen Sinne nicht weniger den christ-
lichen Grundsätzen widerspricht, als der sozialistische
Zukunftsstaat und die sozialistische Zukunftswirtschaft
überhaupt. Sollte es christliche Arbeiterkreise
geben, die sich unter der „Wirtschaftsdemokratie‘ dasselbe
vorstellen wie die Sozialisten, so gilt hinsichtlich der Be-
urteilung genau dasselbe. Anders, wenn christlich
denkende Arbeiter zwischen der sozialistischen und der
eigenen Auffassung einen scharfen Trennungsstrich ziehen
und bei Benützung jenes Schlagwortes nur solche Maß-
nahmen im Auge haben, die zwar eine Vermehrung des
Einflusses der Arbeiterschaft im Wirtschaftsleben und im
Betrieb bezwecken, die jedoch die einheitliche Leitung der
Unternehmungen und der Betriebe durch den Unternehmer
nicht beeinträchtigen und die sein Eigentumsrecht unan-
getastet lassen. Zu Einzelforderungen kann der Moral-
theologe nicht wohl Stellung nehmen, er kann nur sagen:
Soweit nach dem Urteil unparteiischer Sachverständiger
„ein Recht der Mitbestimmung und Mitgestaltung in Betrieb
und Wirtschaft“ im Interesse „der Erhebung und der_Be-
friedung‘ der Arbeiterschaft liegt, sollte es von der
Unternehmerschaft weitherzig einge-
räumt werden, genügende Vorbildung der Arbeiterschaft
vorausgestzt, und der Moraltheologe kann nur wünschen,
daß durch friedliche Verhandlungen zwischen Unternehmer-
schaft und Arbeiterschaft ein für den Unternehmer und das
wirtschaftliche Leben erträgliches Maß von Mitbestim-
mungsrechten der Arbeiter vereinbart und festgesetzt
werde. Stehen doch, der Natur der Sache nach, Arbeiter-
schaft und Unternehmer einander nicht wie feindliche Heere
gegenüber, sondern wie organisch verbundene Teile eines
Leibes, wie Angehörige desselben Berufes, verbunden durch
dieselben Interessen, verbunden durch den Geist der Ge-
rechtigkeit und der Liebe.
Individualismus und Kollektivismus als
Triebkräite in der Wirtschaft.
Von Bergassessor a. D. Dr.-Ing. e. h. v. u. z. Loewenstein
Individualismus und Kollektivismus bezeichnen im all-
täglichen Gebrauch zunächst ganz bestimmte geistige Hal-
tungen zu den politischen Fragen und insbesondere zu den
Problemen der Wirtschaftsführung und Gestaltung. Der
Wille zum allgemeinen Fortschritt darf bei beiden Denk-
richtungen in gleichem Maße vorausgesetzt werden. Auf
das Wirtschaftliche abgestellt, sieht der Individualist jedoch
den Fortschritt in erster Linie durch das Privateigentum
an den Produktionsmitteln und die .Unternehmungsfreiheit
der auf eigenes Risiko wirtschaftenden Persönlichkeit ge-
währleistet, Der Kollektivist dagegen sieht ihn eher durch
Gemeineigentum und umfassende Bindung des einzelnen in
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