einer planvollen, einheitlich und mit demokratischen Mit-
teln geleiteten Gesamtordnung gesichert. Da beide Prin-
zipien auf Gestaltung derpraktischenLebens-
Verhältnisse in Wirtschaft und Staat ausgehen, sind
sie. politische Prinzipien. .
Damit aber ist ihr Wesen nicht erschöpft. Wenn wir
sie unter dem Gesichtspunkt betrachten; in welcher Weise
beide als Triebkräfte in der Brust der in Staat und Wirt-
schaft tätigen Menschen: wirksam sind, verlassen wir das
Gebiet der Politik und-‘betreten — da wir an einen rein
physisch-mechanischen‘ Lebensgrund des geistigen Men-
schen nicht glauben — den Boden des Sittlichen. Hier
sind beide Prinzipien‘ innere und letzte Wertmaßstäbe, die
nicht nur gegenüber dem Staat und der Wirtschaft, sondern
den Lebenserscheinungen in ihrer Gesamt-
n1eit gegenüber ein kritisches Grundmaß abgeben,
Im Bereiche des Sittlichen gibt es weder reine
Individualisten noch reine Kollektivisten,
Aristoteles nennt den Menschen ein Gesellschaftstier,
das-kraft seiner Natur zum Ganzen seines Lebenskreises
drängt. Und von Goethe ist der Vers allgemein bekannt,
worin er als höchstes Glück der Erdenkinder die Per-
sönlichkeit preist, also das Individuum, das alle in
ihm schlummernden Eigenschaften zur bestmöglichen Ent-
faltung und zur universalen Zusammenwirkung zu bringen
sucht. Zwischen dem Drang zum übergeord-
weten Ganzen und dem Hang zur sich selbst
vereinzelnmden Pflege der eigenen Persön-
lichkeitschwanktjedes menschliche Leben.
[n diesem inneren Widerspruch stellt sich nur das Spiegel-
bild der äußeren Verhältnisse dar, in denen der Mensch
kraft seiner Natur leben muß. Zwar ist er ein eigencharak-
ierisiertes Einzelwesen, eine Individualität, aber doch
gleichzeitig in das vertikale Gefüge der aufeinanderfolgen-
len Geschlechter und in die horizontale Front seiner
sigenen Zeitgenossen in leiblicher und geistiger Abhängig-
keit eingeordnet, ein Kollektivwesen. Daher; nach
Maßgabe der jeweiligen Zeitverhältnisse. einen für das
Ganze, das Kollektivum, und den Einzelnen, das In-
lividuum, gleich tragbaren und fruchtbaren Ausgleich zu
inden, das ist das eigentliche Problem der sittlichen Frei-
1eit, um das jeder einzelne im Menschengeschlecht immer
wieder ringen muß. so lange er leht.
Als sittliche Prinzipien sind also Individualismus
und Kollektivismus in jedem Menschen gleichzeitig
und nebeneinander wirksam.
Reiner radikäler Individualismus würde in der Vereinzelung
zum tödlichen Selbstausschluß aus der Gesellschaft führen,
als Gesamterscheinung zur Anarchie, Reiner radikaler
Kollektivismus würde in der Vereinzelung zur Selbstaus-
Ööschung und als Gesamterscheinung zur ebenso tödlichen
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