Es mag wohl möglich sein, in der gegenwärtigen Phase
des Sozialismus, wo er eben immer noch zu einem Teil
unerprobte Hoffnung ist und sich gerade anschickt, den
Paß der Wirtschaftsdemokratie auf seinem Wege zum
Ziel zu betreten, in breiten Schichten etwas zu entflammen,
was wie ein reiner Kollektivismus, wie purer Opferwille von
fast religiöser Inbrunst, aussieht. Das Vorhandensein der
Ne musjstischen Partei’ist aber ein Maßstab da-
ür,
wie weit die teilweise Selbstverwirklichung des
Sozialismus auf dem rein politischen Gebiete schon
den Glauben ‚der Massen enttäuscht hat.
immerhin besteht heute noch die Hoffnung, daß der Erwerb
wirtschaftlicher Macht den Sozialismus in die Lage ver-
setzen wird, seine glühenden Versprechungen zu erfüllen.
Aber wenn dieser Tag einmal kommen sollte ohne den ver-
sprochenen Erfolg, was dann? Dann wird sich der Indi-
vidualismus mit -tödlicher Sicherheit auch unter denjenigen
stark und bedrohlich erheben, die jetzt noch zu den treuesten
Gefolgsleuten der sozialistischen Bewegung gehören. Aber
man wird dann froh sein dürfen, wenn diese Art von In-
dividualismus überhaupt noch sittlichen Inhalt hat.
Wie steht es nun mit der Wirtschaft? Gewiß, so ziem-
lich alle Unternehmer vertreten den politischen In-
dividualismus. Sie sehen also im Privateigentum
und in der Freiheit der Unternehmerpersönlichkeit die ersten
Garantien dafür gegeben, daß die Volkswirtschaft der Nation
ein Höchstmaß von Erzeugnissen zur Verfügung stellt und
damit den allgemeinen Wohlstand bestens garantiert. An
dieser Grundeinstellung dürfte auch dadurch nichts geändert
werden, daß von einer rein individualistischen Wirtschaft
heute nicht mehr die Rede sein kann. Paul Lensch
schrieb in seinem Kriegsbuch: „Drei Jahre Welt-
revolution“ bei der Betrachtung der deutschen Kar-
tell- und Syndikatsbildung vor dem Kriege, daß der
deutsche Kapitalismus sein eigenes Ge-
heimnis entdeckt habe. Gut, man mag das so be-
zeichnen. Jedenfalls ist es eine allgemein bekannte Tat-
sache,
daß es auch in der Wirtschaft den Unternehmungen
und Unternehmern an kollektivistischen Beschrän-
kungen nicht fehlt.
wobei nicht einmal an die mannigfachen Eingriffe von
staatlicher Seite gedacht ist. Es ist aber ein großer Unter-
schied, ob sich derartige. wirtschaftliche Gemeinwesen,
welche ‚die Bewegungsfreiheit ihrer Mitglieder mehr oder
weniger weit einschränken, aus den Elementen der jeweili-
gen Lage von Wirtschaft und Technik herausbilden, ob sie
von Männern geleitet werden, die unter der harten
Diktatur der Rentabilität stehen und ihren Na-
men und ihren Besitz dafür einsetzen müssen, daß ihre Ent-
Schlüsse zum wirtschaftlichen Erfolg führen, oder ob diese
Gemeinwesen aus politischen Rücksichten und nach gesetz-
lichen Normen konstruiert und von einer an den Gehorsam
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